Wintergedichte

 

 

 

 

 

 
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Anonym Draußen schneit Es schneit draußen still...
Falke, Gustav Winter Ein weißes Feld...
Hölderlin, Friedrich Der Winter Das Feld ist kahl...
Hölderlin, Friedrich Winter Wenn sich das Laub verloren..
Keller, Gottfried Erster Schnee Wie nun alles stirbt und endet...
Klabund Winterlandschaft Das Hügelland wogt wie...
Lenau Winternacht Vor Kälte ist die Luft erstarrt...
Mahler, Gustav Winterlied Über Berg und Tal...
Morgenstern, Christian Wenn es Winter Der See hat eine Haut...
Trakl, Georg Ein Winterabend Wenn der Schnee ans Fenster...
v. d. Vogelweide, Walter Uns hat der winter Uns hat der Winter geschadet...
   


Anonym

Draußen schneit es

Es schneit draußen still und weiß;
an Dach und Blumen hängt das Eis.
Von fern ein Schlittenglöckchen klingt,
ein Silberstern durchs Fenster blinkt,
im Ofen helles Feuer knackt,
die Mutter steht am Herd und backt.

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Gustav Falke

Winter

Ein weißes Feld, ein stilles Feld.
Aus veilchenblauer Wolkenwand
hob hinten, fern am Horizont,
sich sacht des Mondes roter Rand.

Und hob sich ganz heraus und stand
bald eine runde Scheibe da,
In düstrer Glut. Und durch das Feld
klang einer Krähe heisres Krah.

Gespenstisch durch die Winternacht
der große dunkle Vogel glitt,
und unten huschte durch den Schnee
sein schwarzer Schatten lautlos mit.

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Friedrich Hölderlin

Der Winter

Das Feld ist kahl, auf ferner Höhe glänzet
Der blaue Himmel nur, und wie die Pfade gehen,
Erscheinet die Natur, als Einerlei, das Wehen
Ist frisch, und die Natur von Helle nur umkränzet.

Der Erde Stund ist sichtbar von dem Himmel
Den ganzen Tag, in heller Nacht umgeben,
Wenn hoch erscheint von Sternen das Gewimmel,
Und geistiger das weit gedehnte Leben.

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Friedrich Hölderlin

Winter


Wenn sich das Laub auf Ebnen weit verloren,
So fällt das Weiß herunter auf die Tale,
Doch glänzend ist der Tag vom hohen Sonnenstrahle,
Es glänzt das Fest den Städten aus den Toren.

Es ist die Ruhe der Natur, des Feldes Schweigen
Ist wie des Menschen Geistigkeit, und höher zeigen
Die Unterschiede sich, dass sich zu hohem Bilde
Sich zeiget die Natur, statt mit des Frühlings Milde.

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Gottfried Keller

Erster Schnee

Wie nun alles stirbt und endet
Und das letzte Rosenblatt
Müd sich an die Erde wendet,
In die warme Ruhestatt:
So auch unser Tun und Lassen,
Was uns heiß und wild erregt,
Unser Lieben, unser Hassen
Sei ins welke Laub gelegt!

Reiner, weißer Schnee, o schneie,
Schneie beide Gräber zu,
Daß die Seele uns gedeihe
Still und kühl in Winterruh!
Bald kommt jene Frühlingswende,
Die allein die Liebe weckt,
Wo der Haß umsonst die Hände
Träumend aus dem Grabe streckt!

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Klabund

Winterlandschaft

Das Hügelland wogt wie ein weißes Meer im Schnee,
Vom Himmel nieder wuchten violette
Schneewolken, eine dichtverschlungne Kette,
Die in der Luft an roten Öfen hängt -
Die Sonne brannte sie -
Am Horizonte aber wölbt sich aus der weißen Flur ein Berg,
Mit Tann bestanden, schwarz gekappt,
Ein ungeheurer Igel, der den Schneefall
Von seinen Borsten schläfrig schüttelte.

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Nikolaus Lenau

Winternacht

Vor Kälte ist die Luft erstarrt,
Es kracht der Schnee von meinen Tritten,
Es dampft mein Hauch, es klirrt mein Bart;
Nur fort, nur immer fortgeschritten!

Wie feierlich die Gegend schweigt!
Der Mond bescheint die alten Fichten,
Die, sehnsuchtsvoll zum Tod geneigt,
Den Zweig zurück zur Erde richten.

Frost! friere mir ins Herz hinein,
Tief in das heißbewegte, wilde!
Daß einmal Ruh mag drinnen sein,
Wie hier im nächtlichen Gefilde!


Quelle

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Gustav Mahler

Winterlied

Über Berg und Tal
Mit lautem Schall
Tönet ein Liedchen.
Durch Schnee und Eis
Dringt es so heiß
Bis zu dem Hüttchen.
Wo das Feuer brummt,
Wo das Rädchen summt
Im traulichen Stübchen.
Um den Tisch herum
Sitzen sie stumm.
Hörst du mich, Liebchen?
Im kalten Schnee,
Sieh! wie ich steh',
Sing' zu Dir, Mädchen!
Hat denn mein Lied
So dich erglüht
Oder das Rädchen?
O liebliche Zeit
Wie bist du so weit!
O selige Stunden!
Ach nur ein Blick
War unser Glück.
Ewig verschwunden!

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Christian Morgenstern

Wenn es Winter wird

Der See hat eine Haut bekommen,
so dass man fast drauf gehen kann,
und kommt ein grosser Fisch geschwommen,
so stösst er mit der Nase an.

Und nimmst du einen Kieselstein
und wirfst ihn drauf, so macht es klirr
und titscher - titscher - titscher - dirr...
Heißa, du lustiger Kieselstein!

Er zwitschert wie ein Vögelein
und tut als wie ein Schwälblein fliegen -
doch endlich bleibt mein Kieselstein
ganz weit, ganz weit auf dem See draussen liegen.

Da kommen die Fische haufenweis
und schaun durch das klare Fenster von Eis
und denken, der Stein wär etwas zum Essen;
doch sosehr sie die Nase ans Eis auch pressen,
das Eis ist zu dick, das Eis ist zu alt,
sie machen sich nur die Nasen kalt.

Aber bald, aber bald
werden wir selbst auf eignen Sohlen
hinausgehn können und den Stein wiederholen.

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Georg Trakl


Ein Winterabend

Wenn der Schnee ans Fenster fällt,
Lang die Abendglocke läutet,
Vielen ist der Tisch bereitet
Und das Haus ist wohlbestellt.

Mancher auf der Wanderschaft
Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden.
Golden blüht der Baum der Gnaden
Aus der Erde kühlem Saft.

Wanderer tritt still herein;
Schmerz versteinert die Schwelle.
Da erglänzt in reiner Helle
Auf dem Tische Brot und Wein.


Quelle

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Walter von der Vogelweide

Uns hat der winter

Uns hât der winter geschât über al:
heide unde walt die sint beide nû val,
dâ manic stimme vil suoze inne hal.
saehe ich die megede an der strâze den bal
werfen! sô kaeme uns der vogele schal.

Möhte ich verslâfen des winters zît!
wache ich die wile, sô hân ich sîn nît,
daz sîn gewalt ist sô breit und sô wît.
weizgot er lâz hoch dem meien den strît:
sô lise ich bluomen dâ rîfe nû lît.


Übersetzung (1.Strophe)

Uns hat der Winter geschadet überall:
Heide und Wald sind beide nun fahl,
wo sonst manche Stimme süß widerhall.
Sähe ich die Mädchen an der Straße den Ball
Werfen! - dann käme auch bald der Vogelschall.