Fu Hsüan
Licht und Schatten
Ihr reist in die Ferne
westwärts nach Tschin.
Ich wäre so gerne
Euer Schatten,
dass ich immer und überall bei Euch bin.
Doch wünsch ich Euch nicht,
im Schatten zu stehn.
Bleibt nur immer im Licht.
Dann könnt Ihr mich sehn.
Aus dem Chinesischen von Ernst Schwarz

Quelle
Emanuel Geibel
Nun die Schatten dunkeln,
Stern an Stern erwacht;
Welch ein Hauch der Sehnsucht
Flutet in die Nacht.
Durch das Meer der Träume
Steuert ohne Ruh,
Steuert meine Seele
Deiner Seele zu.

Quelle
Michael Lermontow
Silhouette
Ich nahm dein Schattenbild mir vor,
Ich liebe seinen Trauerflor;
Es hängt an meiner Brust als Zier
So dunkel wie das Herz in ihr.
Die Augen leblos, ohne Schein,
Doch dafür sind sie ewig mein;
Ich liebe es, und ist es nur
Dein Schatten, meiner Liebe Spur.
[1831]
Aus dem Russischen von Karl Dedecius

Quelle
Hermann Löns
Schatten
Krauser Birkenzweige Schatten
Tanzen auf dem weißen Sand.
Meine Augen sind voll Sehnsucht
Auf die Schatten hingebannt.
Deiner Locken Schatten denk ich,
Die auf deiner Stirne sind,
Die bei meinen Seufzern tanzen,
Wie die Zweige in dem Wind.

Quelle
Clara Müller-Jahnke
Das ist der Schatten
Magst du mich ganz in deine Flammen hüllen
und mag das Blut, das deinen Leib durchmißt,
mein Herz durchpulsen, meine Adern füllen -
es bleibt ein Rest, ein Rest, der du nicht bist!
Das ist der Schatten unsrer Sonnenliebe,
auf unsern Himmelstraum, der Erdenspott.
Wenn dieser Rest, du, dieser Rest nicht bliebe:
wir wären Gott. -
Georg Trakl
Der Schatten
Da ich heut morgen im Garten saß -
Die Bäume standen in blauer Blüh,
Voll Drosselruf und Tirili -
Sah ich meinen Schatten im Gras,
Gewaltig verzerrt, ein wunderlich Tier,
Das lag wie ein böser Traum vor mir.
Und ich ging und zitterte sehr,
Indes ein Brunnen ins Blaue sang
Und purpurn eine Knospe sprang
Und das Tier ging nebenher.

Quelle
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