Gedichte über Rügen
 

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Arndt, Ernst Moritz - (aus Klinglieder) Geliebtes Eiland...
Arndt, Ernst Moritz Heimweh nach Rügen O Land der dunklen Haine...
Chamisso, Adalbert von Jungfrau von Stubbenkammer Ich trank in schnellen Zügen...
Müller, Wilhelm Der Feuerstein Die Kreid' an Jasmunds Küste...
Müller, Wilhelm Der Gang von Wittow nach Jasmund Verdammte lange schmale...
Müller, Wilhelm Muscheln von der Insel Rügen Es braust das Meer...
Flaischlen, Cäsar Rügen Tief und still...
Wersch Gäste in Dwasieden Farne, Brombeeren...
Wersch Jasmund stillt unterm Buchenbaldachin...
Wizlaw III. Lied und Gedicht Der walt und anger...
 

 

Ernst Moritz Arndt

Aus Klinglieder (1)

Geliebtes Eiland, mütterliche Erde,
Wo ich von siebzehn schönen Jugendlenzen
Die Bäume und die Hügel sah bekränzen,
O Rügen, Land voll lieblicher Gebärde!

Sprich, ob ich je die Taten sehen werde,
Wovon die Bilder also lieblich glänzen,
Daß ich in andern Völkern, andern Grenzen
Stets suchen muß nach Arbeit und Beschwerde?

All deine süße Schöne mußt' ich lassen,
All deine holde Stille mußt' ich fliehen,
Ich mußt' ein größres Vaterland mir suchen.

O diesen Stolz, werd' ich ihn je erfassen?
Wirst du, Germanien, noch in Freiheit blühen,
Wo Sklaven stöhnen und Tyrannen fluchen?


Quelle

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Ernst Moritz Arndt

Heimweh nach Rügen

O Land der dunkeln Haine,
O Glanz der blauen See,
O Eiland, das ich meine,
Wie tut's nach dir mir weh!
Nach Fluchten und nach Zügen
Weit übers Land und Meer,
Mein trautes Ländchen Rügen,
Wie mahnst du mich so sehr!

O wie, mit goldnen Säumen
Die Flügel rings umwebt,
Mit Märchen und mit Träumen
Erinnrung zu mir schwebt!
Sie hebt von grauen Jahren
Den dunkeln Schleier auf,
Von Wiegen und von Bahren,
Und Tränen fallen drauf.

O Eiland grüner Küsten!
O bunter Himmelschein!
Wie schlief an deinen Brüsten
Der Knabe selig ein!
Die Wiegenlieder sangen
Die Wellen aus der See,
Und Engelharfen sangen
Die Wellen aus der See,
Und Engelharfen klangen
Hernieder aus der Höh`.

Und deine Heldenmäler
Mit moosgewobnen Kleid,
Was künden sie, Erzähler
Aus tapfrer Väter Zeit.
Von edler Tode Ehren
Auf flücht'gem Segelroß,
Von Schwertern und von Speeren
Und Schildesklang und -stoß?

So locken deine Minnen
Mit längst verklungnem Glück
den grauen Träumer hinnen
In alter Lust zurück.
O heißes Herzenssehnen!
O goldner Tage Schein,
Von Liebe reich und Tränen!
Schon liegt mein Grab am Rhein.

Fern, fern vom Heimatlande
Liegt Haus und Grab am Rhein.
Nie werd' an deinem Strande
Ich wieder Pilger sein.
Drum grüß' ich aus der Ferne
Dich, Eiland lieb und grün:
Sollst unterm besten Sterne
Des Himmels ewig blühn!

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Adalbert von Chamisso


Jungfrau von Stubbenkammer

Ich trank in schnellen Zügen
Das Leben und den Tod
Beim Königsstuhl auf Rügen
Am Strand im Morgenrot.

Ich kam am frühen Tage
Nachsinnend einsam her,
Und lauschte dem Wellenschlage,
Und schaute übers Meer.

Wie schweifend aus der Weite
Mein Blick sich wieder neigt,
Da hat sich mir zur Seite
Ein Feenweib gezeigt.

An Schönheit sondergleichen
Wie nimmer Augen sahn,
Mit goldner Kron und reichen
Gewändern angetan.

Sie kniet’ auf Felsensteinen
Umbrandet von der Flut,
Und wusch mit vielem Weinen
Ein Tuch, befleckt mit Blut.

Umsonst war ihr Beginnen,
Sie wusch und wusch mit Fleiß,
Der böse Fleck im Linnen,
Erschien doch nimmer weiß.

Da sah sie unter Tränen,
Mich an, und bittend fast;
Da hat ein heißes Sehnen
Mich namenlos erfaßt.

"Gegrüßt sei mir, du blendend,
Du wundersames Bild! - - "
Sie aber, ab sich wendend,
sprach schluchzend, aber mild:

Ich weine trüb und trüber,
Die Augen mir und blind,
Gar viele ziehn vorüber,
und nicht ein Sonntagskind.

Nach langem bangen Hoffen,
Erreichst auch Du den Ort -
Oh, hättest Du getroffen
zum Gruß das rechte Wort!

Hättst Du Gott helf! gesprochen,
ich wär erlöst und dein,
Die Hoffnung ist gebrochen,
Es muß geschieden sein!" -

Da stand sie auf zu gehen,
Das Tuch in ihrer Hand,
Und, wo die Pfeiler stehen,
Versank sie und verschwand.

Ich trank in schnellen Zügen
Das Leben und den Tod
Beim Königsstuhl auf Rügen
Am Strand im Morgenrot.

 

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Cäsar Flaischlen

Rügen

Tief und still
in grauem Regen
liegen Wald und
liegen Wiesen ...
tief und still
mit müden, schweren
Wellen
schleppt das Meer zum Strand ...
graue Möwen
flügelschlagend
schreien um die Kreidefelsen,
und im weißen
Dunst der Ferne
zieht in breitgeballter Wolke
dicken Qualmes,
wie der schwarze
Schwan des Todes,
horizontentlang ein Dampfer,
tief und still
in grauem Regen.


Quelle

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Wilhelm Müller

Der Feuerstein

Die Kreid' an Jasmunds Küste
Ist nicht so weich und weiß,
Wie deine Haut, o Mädchen,
Du aller Mädchen Preis.

Und deine Wangen glühen,
Wie wenn der Morgenschein
Mit seinen rothen Strahlen
Bemahlt den bleichen Stein.

Es lag an Jasmunds Küste
Ein schönes Kreidestück.
Ich nahm's in meinen Nachen
Und ruderte zurück.

Und als ich kam nach Hause
Und sah die Ladung an,
Da dacht' ich dein, o Mädchen,
Und war ein froher Mann.

Ich wollt's bei Seite legen,
Da brach's in meiner Hand.
Ei Gott behüt', o Mädchen!
Hält so die Liebe Stand?
Und in der weißen Schale
Da lag ein Feuerstein,
Ein scharfer, harter, schwarzer -
Das soll kein Herz doch sein?

Die bösen Zungen sagen
Dir vieles Böse nach,
Drum frag' ich keine Seele,
Was das bedeuten mag.

Und sperr' ich bösen Zungen
Die Ohren und das Haus,
Will ich den Stein auch werfen
Zum Fenster gleich hinaus.

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Wilhelm Müller

Der Gang von Wittow nach Jasmund

Verdammte lange schmale Heide!
Zu beiden Seiten brummt das Meer,
Versteckt in einem Aschenkleide,
Senkt sich der Himmel tief und schwer.

Im Wege liegen scharfe Steine
Und schneiden in die Sohlen mir -
Was Wunder, wenn ich seufz' und weine,
So oft ich scheiden muß von hier?

In Wittows weizengrünen Auen
Wohnt meine liebe Mähderin:
Ich muß auf Jasmund Kreide hauen,
Dieweil ein Taugenichts ich bin.

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Wilhelm Müller

Muscheln von der Insel Rügen

Es braust das Meer, die Wogenhäupter schäumen,
Die Brandung stürmt die Burg des Felsenstrandes,
Und mit dem großen Orlogschiffe treiben
Die Wind' und Fluthen ihre wilden Spiele,
Wie Kinder mit dem leichten Federballe.
Sieh, meine Muse sitzt am Fischerherde
Und läßt den grausen Sturm vorübertoben,
Ein Pilgermädchen aus dem Mittellande,
Verschüchtert von den neuen Meereswundern.
Die Fischerinnen lachen ihrer Sorgen
Und flechten wohlgemuth an Weidenreusen,
Mit Liedern sich der Arbeit Länge kürzend.

 

Es sinkt die Fluth und ebnet sich zum Spiegel,
Die Winde segeln heim in ihre Klausen,
Und auf dem weichen Bett des Dünensandes
Verspülen sich die klaren blauen Wellen,
Wie müde Kämpfer, die nach Ruh verlangen.
Dann schweift die Mus' umher am nassen Strande
Und sammelt kleine Muscheln sich zu Kränzen.
Um ihre Füße spielen Wassermücken,
Bis eine Woge, länger als die andern,
Den ganzen Schwarm verschlingt und ihre Sohlen
Mit einem leisen kühlen Kuß berühret.

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Wersch (Werner Schmitt)

Gäste in Dwasieden

Farne, Brombeeren und Königskerzen,
von gesprengten Schlössern träumend,
ziehen einen grünen Vorhang
über vergebliche Verheerung

unter hellen Blößen im Kronendach der Buchen
gibt's kein Dach im Felde der Ruinen:
halb entsorgte, halb begrabene Betonskelette,
worin die Mordgeräte und Gefreiten lauerten

Ameisen marschieren nun auf Asphaltstraßen
von der verdufteten Armee ist hinterblieben
nichtmal das Nationale und das Volk
bald schon gleichen Erdbunker den Hünengräbern

Rostzäune und „Privatgelände“ sperren weiter aus
sei Urian, weide dich an Verfall
und Wildwuchs; lass die Hagebutten röten
in der blühendsten aller Landschaften

 

[2004]

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Wersch (Werner Schmitt)

Jasmund stillt

unterm Buchenbaldachin verstummt der Wind
streichle einen Hund und Rehe schauen zu
alle Wanderer verlaufen sich in Klippengründen
Verdämmern rieselt durch den grünen Pelz

wie eine Schneeeule brütet Dunst auf der See
dazwischen leuchtet Kreide, wolkenschwer und bergeleicht
am Hünengrab verkriecht sich eine Natter
und langsam sinken Wurzeln in den Hang
den nimmersatt die Schaumzungen benaschen

einen Speicher voll Bildern will ich ernten und
Träume an einen schlanken Stamm binden
bis sie fremde Mauern verzehren
singen sie Ja und halten zum Küssen still

[2004]

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Rügenfürst Wizlaw III.

Lied und Gedicht

vom Rugard aus gesehen

Der walt und angher lyt ghebreyt
mit wunnenrigher varwen cleyt;
reyt sint der suozen voghelyn done.
Se uoben eren suozen schal
vrolichem hertzen uober al.
mal ich des vinde an blomen schone.

Ho. vro. so. stet des meyien bluote. guote. suote.
ich merke vroyden vol in angher und uph alben
wyinthalben.

Wizlav diz schrip

Übersetzung:

Wald und Wiese liegen ausgebreitet
in einem Kleid von wunderschöner Farbe
schon ertönen die Lieder der süßen Vögelchen.
Sie üben ihren süßen Gesang
überall mit frohem Herzen.
Ich male, was ich an schönen Blumen finden kann.

Ho! Froh! So! Das ist die Blütenpracht des Maien,
seine Wohltat und seine Süße.
Ich bemerke ein Übermaß an Freuden
auf den Wiesen und auf den Berghängen
weit und breit.