Gedichte zum Muttertag, Herrentag, Frauentag

 


 
 
Anonym - Weil heut der Tag...
Droste-Hülshoff, Annette Für meine Mutter So gern hätt ich...
Henckell, Karl Himmelfahrt Bunte Blumen, grüne Büsche...
Logau, Friedrich Mütterliche Liebe Ein Band wir Mutter...
Tucholsky, Kurt Mutterns Hände Hast uns Stulln jeschnitten...
Heidi Damerius Herrentag Meine Herren...
 

Anonym

Weil heut der Tag der Mutter ist,
bring ich dir einen Strauß.
Komm, suche dir doch auch etwas
von meinem Spielzeug aus.
Ich schenke dir, was dir gefällt,
ist es mir noch so wert:
den Fußball und das Bilderbuch
und selbst ein Schaukelpferd.
Und wenn ich groß gewachsen bin
und Geld verdienen kann,
so kauf ich dir, mein Mütterlein,
das Allerbeste dann.
Ich kaufe dir dann Zuckerzeug
und Brezeln und Konfekt
und freue mich, mein Mütterlein,
wenn es dir herzlich schmeckt.


Quelle

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Annette von Droste-Hülshoff

Für meine Mutter

So gern hätt' ich ein schönes Lied gemacht
Von Deiner Liebe, deiner treuen Weise;
Die Gabe, die für andre immer wacht,
Hätt' ich so gern geweckt zu deinem Preise.

Doch wie ich auch gesonnen mehr und mehr,
Und wie ich auch die Reime mochte stellen,
Des Herzens Fluten wallten darüber her,
Zerstörten mir des Liedes zarte Wellen.

So nimm die einfach schlichte Gabe hin,
Von einfach ungeschmücktem Wort getragen,
Und meine ganze Seele nimm darin:
Wo man am meisten fühlt, weiß man nicht viel zu sagen.


Quelle

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Karl Henckell

Himmelfahrt

Bunte Blumen, grüne Büsche,
Burschen, Mädchen Arm in Arm,
In der kühlen Morgenfrische
Locker schlendernder Frühlingsschwarm.
Übernächtige Gesichter,
Lange, lange noch nicht matt,
Lebenslustiges Gelichter,
Lange, lange noch nicht satt.
»Heut lieb' ich die Susanne
Und morgen die Marianne,
Halli, Hallo!
Wir leben so -
Vom lustigen Berge in die lustige Stadt.«
Der da mit ihren zerlockerten Haaren
Ist wohl die Unschuld gen Himmel gefahren
Heut in dieser selbigen Nacht;
Maiennächte sind Liebesschulen,
Lieblich ist es im Grünen buhlen,
Und kein Wächter der Sitte wacht.
In den schwärzlichen Augenringen
Kauert schläfrig gebüßte Lust,
Tüchtig hat das Feuer gerußt.
Aber mit silberreinem Singen
Sittige Dirnen vorüberspringen,
Maienglöckchen an keuscher Brust.
Aus dem offenen Bierhaus dringen,
Klingen Schalmei und Harmonika,
Klingen Harmonika und Schalmei;
Italiener mit lautem Geschrei
Feigenkränze zu Häupten schwingen,
Brezelweiber schleifen vorbei.
Schüchterne Sonnenstrahlen blinken,
Schimmerwellen am Waldesrand,
Ach, wie herrlich die Wipfel winken,
Lichte Buchen im Brautgewand!
Und noch ehe mit breitem Strahl
Siegreich mich die Sonne bestreicht,
Seh' ich in der Tiefe das Tal,
Habe des Berges Kulm erreicht.
Wolkenspiegelnd und funkenwiegelnd,
Perlgrau zittert der See.
Dicker Sonnenduft
Hüllt die ferne Luft,
Tief im Flor versinkt der Firnenschnee.


Quelle

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Friedrich von Logau

Mütterliche Liebe

Die Mutter trägt im Leibe
das Kind dreiviertel Jahr;
die Mutter trägt auf Armen
das Kind, weil's schwach noch war;
die Mutter trägt im Herzen
die Kinder immerdar.

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Kurt Tucholsky

Mutterns Hände

Hast uns Stulln jeschnitten
un Kaffe jekocht
    un de Töppe rübajeschohm -
un jewischt un jenäht
un jemacht un jedreht...
    alles mit deine Hände.

Hast de Milch zujedeckt,
uns bobongs zujesteckt
    un Zeitungen ausjetragen -
hast die Hemden jezählt
und Kartoffeln jeschält...
    alles mit deine Hände.

Hast uns manches Mal
bei jroßem Schkandal
    auch'n Katzenkopp jejeben.
Hast uns hochjebracht.
Wir wahn Sticker acht,
sechse sind noch am Leben...
    Alles mit deine Hände.

Heiß warn se un kalt.
Nu sind se alt.
    Nu bist du bald am Ende.
Da stehn wir nu hier,
und denn komm wir bei dir
    und streicheln deine Hände.

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   Heidi Damerius

Herrentag

(aus Frauensicht)

Meine Herren...
Heut' wird erst richtig mir bewusst,
dass ihr schon an der Mutterbrust
als Bübchen hattet's wahrlich schwer
und Stamm zu halten gabt Gewähr.

Noch mehr galt das für euch als Knaben,
belastet mit Männeraufgaben:
das Auto waschen, stets parieren,
um Vaters Stolz nicht zu verlieren.

Als Burschen konntet ihr sodann
an Werk und Weib so richtig ran,
gefordert wurde euer Mut,
dass ihr auswähltet alles gut.

Jetzt strotztet ihr vor Manneskraft,
die sogar Kind und Kegel schafft.
Selbst wenn das Tagwerk schon vollbracht,
ihr musstet ran noch manche Nacht.

Zudem verlangt die Mannesnorm,
zu wahren stets der Würde Form:
Nie darf euch etwas so verletzen,
dass Tränen eure Wang' benetzen!

Seid schließlich ihr ein weiser Greis,
macht euch die Alte trotzdem heiß,
im Herbst des Lebens noch zu nützen,
der Enkel Haus und Hof zu stützen.

Heut' seid ihr endlich einmal frei,
des Mannes Pflicht vergessen sei!
Ihr schleicht ja wieder heim am Morgen,
verloren wärt ihr ohne unser Sorgen.

 

 

 

 

 

 

   

Barcelona 5/2010