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Gedichte aus Moçambique

   
Bermudes, Nuno Sonett Du kamst vorbei...
de Noronha, Rui Frau Man nennt dich hübsch...
Knopfli, Rui An den Dichterlehrling Reime nicht...
Knopfli, Rui Nach dem Film... Im Tauwetter trocknen...
 

Nuno Bermudes

Sonett

Du kamst vorbei, und jeder Schritt von dir
in meinem Fleische wie ein Schrei erklang.
Aus jeder Regung, die du zeigtest, mir
der lyrische Geschmack von Mythen sprang.

Die Lyrik, Schein und Selbstgenüge bloß,
und zum Ereignis, dazu kam es nicht.
Grau gegen Abend übern Himmel floß,
doch statt es Nacht ward, nur ein Tag aufbricht.

Es warn umsonst Besitzen und Begehren,
denn nur das Blut hat in uns aufgestöhnt
und blind war unser Zueinander-Sehnen.

Es ist nun schon zu spät, noch umzukehren.
Was in uns zwein den andern abgelehnt,
das war der Mut, sich selber abzulehnen.



Nachdichtung von Andreas Reimann


Rui Knopfli

Nach dem Film „ Die Kraniche ziehen”

Im Tauwetter trocknen
widersinnig
die letzten Tränen
auf deinem Gesicht.
In der gebadeten Luft,
in der reinen Ruhe
der Dinge
finden sich Zeichen des Frühlings.
Die Wunden
heilen nicht gänzlich
Sie dauern
versteckt, schläfrig pulsierend,
aber sie leben
die ganze Zeit.
Die Zeit verrinnt.
Es tarnt sich der Schmerz,
aber wirkt weiter
unter anderen Masken.
In den Armen die Fülle
der hellen Blumen,
lächelst du und schaust in den Himmel
mit klarem Blick.
Empfindest sogar eine sanfte Lust,
fast Glück.
Die Lippen, halb geöffnet
im Lächeln,
tragen
das Zeichen der Bitterkeit.
Gehen wir!
Warum wartest du noch?
Gib deine Blumen den Lebendigen.


Nachdichtung von Andreas Reimann


Rui Knopfli

An den Dichterlehrling

Reime nicht.
Oder reime, wenns dir beliebt,
aber üb nicht Gewalt
am Wort.
Suche nicht nach ihm mit der täppischen Gier
der ersten Liebe.

Besser, du wartest still
auf seine Ankunft.

Reime und Vers-Musik
sind unerläßliche Zutaten:
Aus anderen Stoffe ist das Gedicht.

Sei ruhig, ruhig!
Es werden die Wörter
wachsen wie Früchte,
und fallen reif.
Und werden sein
dürr und kalt,
trocken und unerschüttlich,
vielleicht betaut und demutsvoll,
vielleicht verstümmelt sogar,
doch immer sinnesträchtig und sehr genau.

Warte die Wörter ab.
Sie reisen geheimnisvoll,
noch unbekannt,
sie keimen in dir.
Fallen. Vereinen sich.
Schmerzhaft, häßlich,
solange sie noch ungeboren,
manchmal unscheinbar,
suchen sie sich
und ordnen einander zu.

Und da, im Zusammenhang,
leuchten sie plötzlich auf,
werden dein Eigentum,
halten einander geheimnisvoll fest:

Dies also ist das Gedicht.


Nachdichtung von Andreas Reimann


Rui de Noronha

Frau

Man nennt dich hübsch, man sagt, wie schön du bist;
man nennt dich wohlgestalt, man nennt dich fein.
Ich weiß wie zart und schön die Rose ist,
doch deine Grazie muß noch zarter sein.

Die Welle, die, den Buchten nachgezogen,
den Sand mit tausendfachen Zauber küßt,
hält nicht mit soviel Reiz den lichten Bogen
wie deines Leibes Linien: Lieb und List.

Man nennt dich schön, du sollst bezaubernd sein.
Welch Wort für deine Reize man auch nähme,
es bliebe doch wie Wasserfarben flau.

Befragt, womit ich dir am nächsten käme,
gibt Gott von allen Seiten dies mir ein:
Nenn sie nicht schön - nenn sie nur einfach: Frau!

Nachdichtung von Volker Ebersbach