Ausgewählte Dichtkunst des Mittelalter

8.Jahrhundert
1 Merseburger Zauberspruch Anonym
2.Merseburger Zauberspruch Anonym
Hildebrandslied Anonym
9.Jahrhundert
Ludwigslied Anonym
Petruslied Anonym
Wesobrunner Schöpfungsgedicht Anonym
10.Jahrhundert  
Augsburger Gebet Anonym
Liubene Anonym
Lorscher Bienensegen Anonym
11.Jahrhundert
Ad equuum errehet Anonym
12.Jahrhundert  
Ich zog mir einen Falken Der von Kürenberg
Millstätter Blutsegen Anonym
Du bist min, ih bin din
Anonym
13.Jahrhundert  
Ich saz vf eime steine
Walter von der Vogelweide
Wer sleht den lewen, wer sleht den risen?
Walter von der Vogelweide
Aus den sogenannten Liedern der niederen Minne Walter von der Vogelweide
Under der linden...  
14.Jahrhundert
IR pfaffen vnd ir ritter Regenbogen
15.Jahrhundert  
Christ ist erstanden Anonym
 


Anonym


1. Merseburger Zauberspruch

Eiris sazu idisi,       sazun hera, duoder.
suma hapt heptidun,       suma heri lezidun,
suma clubodun       umbi cuoniouuidi:
insprine haptbandun!     inuar uigandun!



Eiris: Einst setzten sich Frauen, setzten sich hierhin, dorthin?.
Einige knüpften Fesseln, andere hielten das Heer auf,
andere lösten die Stricke auf:
Entspring den Fesseln!
Entflieh den Feinden!


Quelle

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Anonym


2. Merseburger Zauberspruch

Phol ende uuodan      uuorun zi holza.
du uuart demo balderes uolon       sin uuoz birenkit.
thu biguol en sinhtgunt,       sunna, era suister;
thu biguol en friia,     uolla era suister;
thu biguolen uuodan, so he uuola conda:
sose benrenki,     sose bluotrenki,     sose lidirenki:
ben zi bena,     bluot zi bluoda,
lid ze geliden,     sose gelimida sin!

Phol und Wodan ritten in den Wald. Da wurde Balders Fohlen de Fuß verrenkt.
Da besprach ihn Sinthgunt [und] Sunna, ihre Schwester;
da besprach ihn Frija [und] Volla, ihre Schwester;
da besprach ihn Wodan so, wie er es gut konnte:
Ob Beinverrenkung, ob Blutstau, ob Gliedverrenkung:
Knochen zu Knochen, Blut zu Blut, Glied zu Gliedern, als ob sie geleimt wären!


Quelle

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Anonym

Hildebrandslied

Ik gihorta dat seggen,
dat sih urhettun      ænon muotin
hiltibrant enti hadubrant       untar heriun tuem,
sunufatarungo.        iro saro rihtun,
garutun se iro gudhamun,       gurtun sih iro suert ana,
helidos, ubar ringa,       do sie to dero hiltiu ritun.
hiltibrant gimahalta, heribrantes sunu       -her uuas heroro man,
ferahes frotoro -,         her fragen gistuont
fohem uuortum, wer sin fater wari
fireo in folche   [...]
[...]      „eddo welihhes cnuosles du sis.
ibu du mir enan sages,  ik mi de odre uuet,
chind, in chunincriche;   chud ist mi al irmindeot."
hadubrant gimahalta,    hiltibrantes sunu:
„dat sagetun mi    usere liuti,
alte anti frote,     dea érhina warun,
dat hiltibrant hætti min fater,     ih heittu hadubrant.
forn her ostar giweit      - floh her otachres nid -
hina miti theotrihhe       enti sinero degano filu.
her furlaet in lante         luttila sitten
prut in bure             barn unwahsan,
arbeo laosa.       her raet ostar hina.
des sid detrihhe       darba gistuontun
fatereres mines;     dat uuas so friuntlaos man.
her was otachre ummet tirri,
degano dechisto miti deotrichhe.
her was eo folches at ente,       imo was eo fehta ti leop,
chud was her       chonnem mannum.
ni waniu ih, iu lib habbe."
„wettu irmingot ", quad hiltibrant       "obana ab heuane,
dat du neo dana halt mit sus sippan man
dinc ni gileitos."
want her do ar arme         wuntane bauga,
cheisuringu gitan,     so imo se der chuning gap,
huneo truhtin:     „dat ih dir it nu bi huldi gibu."
hadubrant gimalta,     hiltibrantes sunu:
„mit geru scal man     geba infahan,
ort widar orte.
du bist dir alter hun,       ummet spaher,
spenis mih mit dinem wuortun,       wili mih dinu speru werpan.
pist also gialtet man,       so du ewin inwit fôrtos.
dat sagetun mi       seolidante
westar ubar wentilseo,       dat inan wie furnam.
tot ist hiltibrant,       heribrantes suno."
hiltibrant gimahalta,       heribrantes suno:
„wela gisihu ih in dinem hrustim,
dat du habes heme       herron goten,
dat du noh bi desemo riche       reccheo ni wurti."
„welaga nu, waltant got" , quad hiltibrant, „wewurt skihit!"
ih wallota sumaro enti wintro       sehstic ur lante,
dar man mih eo scerita in folc sceotantero.
so man mir at burc enigeru     banun ni gifasta,
Nu scal mih suasat chind     suertu hauwan,
breton mit sinu billiu,       eddo ih imo ti banin werdan.
doh maht du nu aodlihho,       ibu dir din ellen taoc,
in sus heremo man hrusti giwinnan,
rauba birahanen,     ibu du dar enic reht habes.
der si doh nu argosto", quad hiltibrant       „ostarliuto,
der dir nu wiges warne,       nu dih es so wel lustit,
gudea gimeinun.       niuse de muotti,
werdar sih hiutu dero hregilo     hrumen muotti,
erdo desero brunnono       bedero uualtan."
do lettun se ærist       asckim scritan,
scarpen scurim,        dat in dem sciltim stont.
do stoptun tosamane       staim bort chludun,
heuwun harmlicco       huitte scilti,
unti im iro lintun       luttilo wurtun.
giwigan miti wabnum [...]




Ich höre berichten,
daß sich die Krieger
Hildebrandt und Hadubrand allein zwischen zwei Heeren trafen ,
Sohn und Vater.
Sie hatten ihre Rüstung gerichtet,
hatten ihre Panzerhemden angelegt,
hatten ihre Schwerter über die Eisenringe gegürtet,
die Krieger, als sie zu diesem Kampf ritten.
Hildebrand, Heribrands Sohn, sprach -
er war der ältere Mann, der lebenserfahrenere -,
mit wenigen Worten begann er zu fragen,
wer sein Vater wäre im Heer der Männer [...]
„oder von welchem Geschlecht du seist.
Wenn du mir einen nennst,
weiß ich mir die andern, die Nachkommen (?) im Königreich;
das ganze Volk ist mir bekannt...:
junger Mann, im Königreich ist mir das ganze Volk bekannt,
Hadubrand, Hildebrands Sohn sprach: „Das berichteten mir unsere Leute,
alte und erfahrene, die früher lebten, daß mein Vater Hildebrand hieß,
ich heiße Hadubrand.
Einst zog er nach Osten -
er floh vor Odoakers Haß- fort mit Theoderich
und vielen seiner Krieger.
In der Heimat ließ er im Frauengemach
klein ein Kind sitzen,
unerwachsen, ohne Erbe.
Er ritt fort nach Osten,
später mußte Dietrich [auch] meinen Vater entbehren;
er war ein Mann so ohne Freund.
Jener war maßlos ergrimmt über Odoaker,
[er], der treueste Gefolgsmann bei Dietrich.
Er war immer an der Spitze des Heeres,
ihm war stets der Kampf zu lieb,
er war tapferen Männern bekannt.
Ich glaube nicht, daß er noch lebt."
„wettu Gott", sprach Hildebrand,
„vom Himmel oben,
daß du nie bisher mit einem so nah verwandten Mann zu tun hattest."
Darauf löste er gewundene Ringe vom Arm,
mit einer Kaisermünze versehen (?),
wie sie ihm der König,
der Herrscher der Hunnen, gegeben hatte:
„Auf daß ich es dir aus Freundschaft schenke."
Hadubrand, Hildebrands Sohn, sprach:
„Mit dem Speer soll der Mann Gaben entgegennnehmen,
Spitze gegen Spitze.
Du bist, alter Hunne, überaus schlau,
verführst mich mit deinen Worten,
willst mich mit deinem Speer treffen.
So alt du geworden bist,
so betrügerisch bist du immer gewesen.(?)
Das sagten mir westwärts übers Meer fahrende Seeleute,
daß ihn ein Kampf dahingerafft hat.
Tot ist Hildebrand,Heribrands Sohn."
Hildebrand, Heribrands Sohn, sprach:
„Deutlich sehe ich an deiner Rüstung,
daß du zu Hause einen gütigen Herrn hast,
daß du auch nicht um dieses Herrschers willen ein Verbannter wurdest."
„Wohlan, waltender Gott", sprach Hildebrand, „das Unheil vollzieht sich!
Ich zog sechzig Sommer und Winter außer Landes,
wo man mich immer in die Schar der Bogenschützen eingereiht hat.
Nachdem man mir vor keiner Burg den Tod zugefügt hat
wird mich nun mein eigenes Kind mit dem Schwert erschlagen,
mit seiner Waffe niedermachen,
oder ich [werde] ihm den Tod bringen.
Doch kannst du jetzt leicht,
wenn dir deine Kraft reicht,
von einem so alten Mann die Rüstung gewinnen,
das Waffenkleid davontragen,
wenn du irgendein Recht darauf hast.
Der wäre doch nur der Feigste", sprach Hildebrand,
„unter den Leuten des Ostens,
der dir den Kampf verweigerte,
da er dich so sehr reizt,
der Kampf zwischen uns beiden.
Nun versuche, de motti, wer von beiden heute den Harnisch verlieren(?) muß
oder wer beide Rüstungen in Besitz nehmen wird."
Da ließen sie es zunächst mit Eschenlanzen angehen in so hartem Stoß,
daß sie in den Schilden standen.
Dann ließen sie die klingelnden Kampfschwerter aufeinanderprallen,
sie schlugen grimmig auf die weißen Schilde,
bis ihnen das Lindenholz kurz und klein wurde.
Es wurde mit den Waffen gekämpft[...]


Quelle

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Anonym

Ludwigslied


RITHMUS TEUTONICUS DE PIAE MEMORIAE
HLUDUICO REGE,FILIO HLUDUICI AEQUE REGIS.

Einan kuning uueiz ih, Heizsit her Hluduig,
Ther gerno gode thionot; Ih uueiz her imos lonot.
Kind uuarth her faterlos, Thes uuarth imo sar buoz:
Holoda inan truhtin, Magaczogo uuarth her sin.
Gab her imo dugidi, Fronisc githigini,
Stuol hier in Urankon. So bruche her es lango!
Thaz gideilder thanne Sar mit Karlemanne,
Bruoder sinemo, Thia czala uuuniono.
So thaz uuarth al gendiot, Koron uuolda sin god,
Ob her arbeidi So iung tholon mahti.
Lietz her heidine man Obar seo lidan,
Thiot Urankono Manon sundiono.
Sume sar uerlorane Uuurdun sum erkorane.
Haranskara tholata Ther er misselebeta.
Ther ther thanne thiob uuas, Ind er thanana ginas,
Nam sina uaston: Sidh uuarth her guot man.
Sum uuas luginari, Sum skachari,
Sum fol loses, Ind er gibuozta sih thes.
Kuning uuas eruirrit, Thaz richi al girrit,
Uuas erbolgan Krist: Leidhor, thes ingald iz!
Thoh erbarmedes got, Uuisser alla thia not,
Hiez her Hluduigan Tharot sar ritan:
"Hluduig, kuning min, Hilph minan liutin!
Heigun sa Northman Harto biduuungan."
Thanne sprah Hluduig "Herro, so duon ih,
Dot ni rette mir iz, Al thaz thu gibiudist."
Tho nam her godes urlub, Huob her gundfanon uf,
Reit her thara in Urankon Ingagan Northmannon.
Gode thancodun The sin beidodun,

Qhadhun al: "fro min, So lango beidon uuir thin."
Thanne sprah luto Hluduig ther guoto:
"Trostet hiu, gisellion, Mine notstallon!
Hera santa mih god Ioh mir selbo gibod,
Ob hiu rat thuhti, Thaz ih hier geuuhti.
Mih selbon ni sparoti, Uncih hiu gineriti.
Nu uuillih, thaz mir uolgon Alle godes holdon.
Giskerit ist thiu hieruuist So lango uuili Krist.
Uuili her unsa hinauarth, Thero habet her giuualt.
So uuer so hier in ellian Giduot godes uuillion,
Quimit he gisund uz, Ih gilonon imoz,
Bilibit her thar inne, Sinemo kunnie."
Tho nam er skild indi sper, Ellianlicho reit her,
Uuolder uuar errahchon Sinan uuidarsahchon.
Tho ni uuas iz burolang, Fand her thia Northman.
Gode lob sageda, Her sihit thes her gereda.
Ther kuning reit kuono, Sang lioth frono,
Ioh alle saman sungun: "Kyrrieleison."
Sang uuas gisungan, Uuig uuas bigunnan.
Bluot skein in uuangon, Spilodun ther Urankon.
Thar uaht thegeno gelih, Nichein soso Hluduig:
Snel indi kuoni, Thaz uuas imo gekunni.
Suman thuruhskluog her, Suman thuruhstah her.
Her skancta cehanton Sinan fianton
Bitteres lides. So uue hin hio thes libes!
Gilobot si thiu godes kraft: Hluduig uuarth sigihaft;
Ioh allen heiligon thanc! Sin uuarth ther sigikamf.
Uuolar abur Hluduig, Kuning uuigsalig!
So garo soser hio uuas, So uuar soses thurft uuas,
Gihalde inan truhtin Bi sinan ergrehtin!

 

Ich kenne einen König:
Ludwig ist sein Name, er dient Gott mit ganzem Herzen
Ich bin gewiß, er wird es ihm lohnen. Den Vater verlor er schon in jungen Jahren,
doch erhielt er sogleich Ersatz: Der Herr selbst nahm sich seiner an und wurde sein Erzieher.
Er übergab ihm eine Mannschaft, ein herrscherliches Gefolge,
schenkte ihm hier im Frankenland den Thron.
Noch lange möge er sich dieser Gaben erfreuen!
Die Herrschaft hat er bald mit Karlmann, seinem Bruder, geteilt, die Summe der Freuden.
Als das vollzogen war, wollte Gott ihn prüfen,
ob er jung noch an Jahren, Gefahren zu bestehen vermöchte.
Er ließ Heiden über See kommen, um das Volk der Franken seiner Sünden wegen zu mahnen.
Die einen gingen sofort verloren, die andern wurdenzum ewigen Heil auserwählt.
Harte Strafe mußte jetzt erleiden, wer bis dahin in Sünden gelebt hatte.
Der vormals ein Dieb gewesen war, begann zu fasten:
dadurch rettete er sich und wurde noch ein guter Mensch.
Der eine war ein Betrüger, der andere ein Räuber, ein dritter lebte ohne jede Beherrschung.
Doch auch er befreite sich von diesem Makel durch Buße.
Der König war in der Ferne, das Reich war von Wirren erschüttert.
Voll Zorn war da der heilige Christus. Wehe, das Reich mußte dafür büßen!
Doch Gott war voll Erbarmen, er kannte ja ganz die gefährliche Lage,
und so gebot er Ludwig, ohne Zögern dorthin zu reiten:
"Ludwig, mein König, hilf du meinen Leuten! Die Normannen haben sie so sehr bedrängt."
Da erwiderte Ludwig: "Herr, ich werde, wenn mich der Tod nicht daran hindert, alles tun, was du befiehlst."
Er empfahl sich seinem Gott, erhob das Kriegsbanner und ritt gegen die Normannen ins Frankenland.
Da dankten Gott, die ihn erwartet hatten.
Alle sprachen: "Herr, wir wartenschon so lange auf dich."
Mit lauter Stimme aber sagte Ludwig der Gute: "Faßt euch, Freunde, ihr meine Kampfgefährten!
Gott hat mich hergesandt und gebot mir selbst, wenn es euch eine Hilfe wäre, hier zu kämpfen
und mich nicht zu schonen, bis ich euch retten würde.
Nun ist es mein Wunsch, daß alle mir folgen, die in Gottes Gnade stehen.
Unser irdisches Sein ist nach dem Willen des heiligen Christus bemessen.
Will er unseren Tod, so hat er dazu die Macht. Wer tapfer hier Gottes Willen vollbringt,
dem werde ich es lohnen, wenn er lebend den Kampf übersteht.
Bleibt er aber im Kampf,[vergelte ich es seinen Verwandten
Darauf nahm er den Schild und den Speer. Mutig ritt er allen voran.
Er wollte mit seinen Feinden eine deutliche Sprache sprechen.
Nach nicht allzulanger Zeit stieß er auf die Normannen.
Er lobte Gott; nun soll er sehen, was er gewünscht hat! Kühn sprengte der König voran,
ein heiliges Lied auf den Lippen, und alle fielen ein mit «Kyrie eleison».
Der Gesang war kaum verklungen, da tobte schon die Schlacht los.
Das Blut schien durch die Wangen, froh jagten da die Franken.
Es focht ein jeder Krieger, doch keiner so wie Ludwig, so mutig und so kühn?es war ihm angeboren.
Den einen, den durchschlug er, den andern durchbohrte er.
Er kredenzte ohne Pause seinen Feinden wahrlich bitteren Trank. Wehe immer über ihr Leben!
Gottes Allmacht sei gepriesen: Ludwig wurde Sieger.
Dank sei gleichfalls allen Heiligen! Seinem Kampf wurde der Sieg zuteil.
Dir aber, Ludwig, Heil, du unser König, im Kampf voll Glück!
Er war stets zur Stelle, wo seine Hilfe vonnöten war.
Gott der Herr erhalte ihn stets in seiner Gnade!


Quelle

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Anonym

Petruslied

Unsar trohtin hat farsalt sancte petre giuualt,
daz er mac ginerian ze imo dingenten man.
kyrie, eleyson! christe, eleyson!

Er hapet ouh mit virtoum himilriches portun.
dar in mach er skerian, den er uuili nerian.
kirie, eleison! christe, eleyson!

Pittemes den gotes trut alla samant upar lut,
daz er uns firtanen giuuerdo ginaden!
kirie, eleyson! christe, eleison!


Unbekannt

Unser Herr hat Sankt Peter die Gewalt übergeben,
daß er einen Menschen, der auf ihn hofft,
erretten kann.
Herr erbarme dich!
Christus erbarme dich!
Er bewahrt auch mit [seinen] Worten die Pforte des Himmelreiches.
Da kann er hineinlassen, wen er erretten will.
Herr...
Laßt uns alle gemeinsam die Stimme erheben und den Geliebten Gottes anflehen,
daß er sich über uns Verdammte erbarmen möge!
Herr...

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Anonym

Wessobrunner Schöpfungsgedicht

De poeta

Dat gafregin ih mit firahim firiuuizzo meista,
Dat ero ni uuas noh ufhimil,
noh paum noh pereg ni uuas,
ni [...] nohheinig noh sunna ni scein,
noh mano ni liuhta noh der mareo seo.
Do dar niuuiht ni uuas enteo ni uuenteo,
enti do uuas der eino almahtico cot,
maano militisto, enti dar uuarun auh manake mit inan
cootlihhe geista. enti cot heilac [...]


Cot almahtico, du himil enti erda gauuorahtos,
enti du mannun so manac coot forgapi,
forgip mir in dino ganada rehta galaupa enti cotan uuilleon,
uuistom enti spahida enti craft, tiuflun za uuidar
stantanne enti arc za piuuisanne enti dinan uuilleon za gauurchanne!

Vom Dichter (Schöpfer?)

Das erfuhr ich bei den Menschen als größtes der Wunder erfahren, das es weder die Erde gab noch den Himmel oben ,
weder gab es Baum noch Berg ,
weder schien irgendein [...] noch die Sonne
weder leuchtete der Mond noch das helle Meer.
Als es da nichts gab von Enden und Grenzen,
da gab es früher(?) den einen allmächtigen Gott,
den [gnaden]reichsten der Männer,
und da gab es auch viele ruhmvolle Geister bei ihm.

Und der heilige Gott [...]
Allmächtiger Gott, du hast Himmel und Erde geschaffen,
und t den Menschen so viel Gutes verliehen,
verleihe mir in deiner Gnade wahren Glauben und den guten Willen, Weisheit und Einsicht und Kraft,
den Teufeln zu widerstehen und dasBöse zu vermeiden und deinem Willen zu tun!

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Anonym

Augsburger Gebet

Got, thir eigeNhaf ist, thaz io geNathih bist.
INtfaa gebet uNsar, thes bethurfen uuir sar,
thaz uns thio ketinun bindet thero sunduN,
thiNero mildo geNad intbinde haldo!

Gott, es ist dir eigenthümlich,
daß du immer barmherzig bist.
Erhöre unser Gebet, das brauchen wir baldigst,
daß uns-uns fesseln die Ketten der Sünden -
die Gnade deiner Barmherzigkeit bald befreie!


Quelle

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Anonym

Liubene

liubene ersazta sine gruz              unde kab sina tohter uz.
to cham aber starzfidere,             prahta imo sina tohter uuidere.


Liubene setzte sein Weizenbier an und verheiratete? seine Tochter.
Da kam starz fidere wieder, brachte ihm seine Tochter zurück

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Anonym

Lorscher Bienensegen

Kirst, imbi ist hûcze!
Nû fluic dû, vihu mînaz, hera
Fridu frôno in godes munt
Heim zi comonne gisunt.


Sizi, sizi, bîna:
Inbôt dir sancte Maria.
Hurolob ni habe dû:
Zi holce ni flûc dû,
Noh dû mir nindrinnês,


Noh dû mir nintuuinnêst.
Sizi vilu stillo,
Uuirki godes uuillon.

Unbekannt

Christus, der Bienenschwarm ist draußen!
Nun flieg du, mein Getier, hierher,
um im Frieden des Herrn unter Gottes Schutz gesund heimzukommen!


Sitz, sitz, Biene!
Das hat dir die heilige Maria geboten.
Das sollst du nicht dürfen:
Flieg nicht in den Wald!


Weder sollst du mir entkommen,
noch sollst du mir entweichen.
Sitz ganz still!
Vollbringe Gottes Willen!

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Anonym

Ad equuum errehet

Man gieng after wege,
zoh sin Ros in handon.
do begagenda imo min trohtin
mit sinero arngrihte.

"wes, man, gestu?
zune ridestu?”
"was mag ih riten?
min ros ist errehet.”

"nu ziuhez da bi fiere!
tu rune imo in daz ora!
drit ez an den cesewen fuoz!
so wirt imo des erræheten buz.”


Quelle

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Der von Kürenberg

Ich zog mir einen Falken
Länger als ein Jahr.
Als ich gezähmt ihn hatte
und er lieb mir war
Und ich um sein Gefieder
Goldene Zierat wand,
Da hob er sich in die Lüfte
Und flog in ein anderes Land.

Seitdem seh' ich den Falken
Schön fliegen über die Länder,
Er tragt an seinem Fuße
Seidene Bänder,
Indes im Licht seine Flügel
Golden sich dehnen.
Gott sende gnädig zusammen,
Die sich nach Liebe sehnen.

[um 1160]

Übertragen von Wilhelm Scholz

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Anonym

Millstätter Blutsegen

Der heligo christ vvas geboren ce betlehem,
dannen quam er vvidere ce ierusalem.
da vvard er getoufet uone iohanne
in demo iordane.
Duo uerstuont der iordanis fluz
unt der sin runst.
Also uerstant du, bluot rinna.
durh des heiligen christes minna!
Du uerstant an der note
also der iordan tate.
duo der guote sanctvs iohannes.
den heiligen christ toufta.
verstant du, bluot rinna
durch des heliges cristes minna!


Quelle

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Anonym

Du bist min, ih bin din

Dû bist mîn, ich bin dîn,
des solt dû gewis sîn.
du bist beslozzen in mînem herzen:
verlorn ist daz slüzzelîn:
du muost immer drinne sîn.

Du bist mein, ich bin dein:
dessen sollst du gewiß sein.
Du bist verschlossen
in meinem Herzen:
verloren ist das Schlüsselein:
du mußt für immer drinnen sein.

Übersetzung von Max Wehrli



Quelle

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Walter von der Vogelweide


Ich saz vf eime steine

Ich saz vf eime steine
und dahte bein mit beine,
dar vf satzt ich den ellenbogen,
ich hete in mine hant gesmogen
daz kinne und ein min wange.
do dahte ich mir vil ange,
wie man zer werlte solte leben:
deheinen rat kond ich gegeben,
wie man driv dinc erwurbe,
der deheinez niht verdurbe.
diu zwei sint ere und varnde gvt,
der ietwederz dem andern schaden tuot,
daz dritte ist gotes hulde,
der zweier übergulde.
die wolte ich gerne in einen schrîn.
ja leider desn mac niht gesin,
daz guot und welt/iche ere
und gotes hvlde mere
zesamene in ein herze komen.
stig vnde wege sint in benomen,
untriuwe ist in der saze,
gewalt vert uf der straze;
fride unde reht sint sure wunt.
diu driu enhabent geleites niht,
diu zwei enwerden e gesvnt.



Quelle

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Walter von der Vogelweide

Wer sleht den lewen, wer sleht den risen?

Wer sleht den lewen, wer sleht den risen?
Wer vberwindet ienen vnd disen?
Das tut iener, der sich selber twinget
Vnd alle sine lit in hute bringet
Us der wilde in steter zuhte habe.
Geligenv zuht vnd schame gesten
Mvgen wol ein wile erglesten.
Der schin nimt drate vf vnd abe.

Wer bezwingt den Löwen, wer bezwingt den Riesen?
Wer überwindet jenen und diesen?
Das tut der, der sich selbst bezwingt
Und all seine Glieder unter Kontrolle bringt
aus der Disziplinlosigkeit in den Gewahrsam bestandiger Zucht.
Geborgter Anstand und manierliches Benehmen,
wenn Fremde zuschauen,
konnen eine Zeitlang glanzen.
Der Glanz leuchtet rasch auf und erlischt rasch.

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Walter von der Vogelweide

[Aus den sogenannten Liedern der niederen Minne]

Herzeliebez frouwelîn,
got gebe dir hiute und iemer guot!
Kund ich baz gedenken dîn,
des hete ich willeclîchen muot.
Waz mac ich dir sagen mê,
wan daz dir nieman holder ist?
owê dâ von ist mir vil wê.

Sie verwîzent mir daz ich
so nidere wende mînen sanc.
Daz sî niht versinnent sich
waz liebe sî, des haben undanc!
Sie getraf diu liebe nie.
die nâch dem guote und nâch der schoene minnent,
wê wie minnent die?

Bî der schoene ist dicke haz,
zer schoene niemen sî ze gâch.
Liebe tuot dem herzen baz,
der liebe gêt diu schœne nach.
Liebe machet schœne wip.
desn mac diu schœne niht getuon,
sin machet niemer lieben lîp.

Ich vertrage als ich vertruoc
und als ich iemer wil vertragen.
Dû bist schœne und hâst genuoc,
waz mugen si mir da von sagen?
Swaz si sagen, ich bin dir holt,
und nim dîn glesîn vingerlîn
für einer küneginne golt.

Hast du triuwe und stætekeit,
sô bin ich din ân angest gar
Daz mir iemer herzeleit
mit dînem willen widervar.
Hâst aber du der zweier niht,
so müezest du mîn niemer werden.
Owê danne, ob daz geschiht!

[um 1200]


Quelle

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Walter von der Vogelweide

Under der linden
an der heide,
da unser zweier bette was,
da muget ir vinden
schone beide
gebrochen bluomen unde gras.
vor dem walde in einem tal,
tandaradei,
schône sanc diu nahtegal.

Ich kam gegangen
zuo der ouwe:
do was min friedel komen e.
da wart ich empfangen
here frouwe
daz ich bin sælic iemer me.
kust er mich? wol tusentstunt:
tandaradei,
seht wie rot mir ist der munt.

Do hete er gemachet
also riche
von bluomen eine bettestat.
des wirt noch gelachet
innecliche,
kumt iemen an daz selbe pfat.
bi den rôsen er wol mac
tandaradei,
merken wa mirz houbet lac.

Daz er bi mir laege,
wesse ez iemen
(nu enwelle got!), so schamte ich mich.
wes er mit mir pflaege,
niemer niemen
bevinde daz wan er und ich
und ein kleinez vogellîn:
tandaradei,
daz mac wol getriuwe sin.


Quelle

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Regenbogen


IR pfaffen vnd ir ritter

IR pfaffen vnd ir ritter, tribent von vch nit,
ir prufent anders grosser vngenade zit !
ir vnt gedenken rechte, wies vmb vch lit:
der pfaff, ritter, bumann, die drie, die soltin sin gesellen.
der buman sol dem pfaffen vnd den ritter ern,
so sol der pfaffe den buman vnd dem ritter nern,
von der helle, sol der werde ritter wern
dem pfaffen vnd dem buman, die in tvn icht wellen.
nv dar, ir edelen, werden drie gesellen!
Stol vnd swert, went ir ein ander helfen wol,
so wirt dv kristenheit von vch genaden vol.
Stol vnd swert, der pflug tut alles,das er sol.
sint ir mit tru ein ander bi, vch kan nieman gevellen.

Ihr Pfaffen und ihre Ritter

Ihr Pfaffen und ihre Ritter,
treibt die Mißgunst unter euch aus,
ihr erlebt sonst Zeiten großeb Unglücks!
Ihr sollt euch recht vor Augen führen,
wie es mit Euch steht:
Pfaffe, Ritter; Bauer, die drei sollten Bundesgenossen sein.
Der Bauer soll für den Pfaffen und den Ritter pflügen,
entsprechend soll der Pfaffe den Bauern und den Ritter vor der Hölle bewahren,
soll der edle Ritter dem Pfaffen und dem Bauern jene fernhalten, die ihnen etwas antun wollen.
Auf nun, ihr drei edlen, werten Gefährten!
Stola und Schwert, wollt ihr einander recht beistehen, so erwächst der Christenheit durch euch nur Segen.
Stola und Schwert, der Pflug tut alles, was seine Pflicht ist.
Steht ihr mit Treue zueinander, kann niemand euch zu Fall bringen.

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Anonym

Christ, der ist erstanden
von der marter alle.
des svll wir alle fro sein,
christ sol vnser trost sein. kyrielieis!


Quelle