Liebesgedichte

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Ahlefeld, Charlotte Glück der Liebe Einem Schmetterlinge...
Anonym um 1600 Der schwere Traum Ich hab die Nacht geträumet...
Anonym Heimliche Liebe O dieser Abend...
Anonym um 1650 - Willst du dein Herz...
Catull Odi et amo Odi et amo...
Claudius, Matthias Die Liebe Die Liebe hemmet nichts...
Daumer, Georg Friedrich Botschaft Wehe, Lüftchen, lind und...
Dehmel, Richard Ruf Immer stiller stehn...
Delwig, Anton Wir Klägliche wir...
Günderrode, Karoline Überall Liebe Kann ich im Herzen...
Heine, Heinrich Wir haben viel für einander... Wir haben viel für einander...
Hoffmannsthal, Hugo von Die Beiden Sie trug den Becher...
Lenz, Jakob Aus ihren Augen lacht Aus ihren Augen lacht...
Rilke, Rainer Maria Die Liebende Ja ich sehne mich nach dir...
Rilke, Rainer Maria Die Liebenden Sieh, wie sie zueinander...
Sappho Einsamkeit der Liebenden Unter gingen der Mond...
Wedekind, Frank Galathea Ach, wie brenn' ich vor...
 

 

 


Charlotte von Ahlefeld

Glück der Liebe

Einem Schmetterlinge gleicht die Liebe;
Wie er flatternd über Blumen schwebt,
So entflieht sie oft auf leichten Schwingen,
Und nur selten kehrt sie uns zurück.

Um gewaltsam ihre Flucht zu hemmen,
Strebt das kranke Herz mit leisem Weh;
Möcht' ihr gern die raschen Flügel binden,
Gern sie bannen in der Treue Kreis.

Aber wie des Schmetterlinges Farben
Selbst in zarten Händen untergehn,
So vernichten Fesseln auch die Reize,
Die der Liebe freie Regung schmücken.

Darum öffne ihrem kurzen Glücke
Willig und geniessend Geist und Herz;
Aber will es wankelmüthig weichen
Trauere dann - doch halt es nicht zurück!


Quelle

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Anonym

Der schwere Traum

Ich hab die Nacht geträumet
Wohl einen schweren Traum;
Es wuchs in meinem Garten
Ein Rosmarinenbaum.

Ein Kirchhof war der Garten,
Ein Blumenbeet das Grab,
Und von dem grünen Baume
Fiel Kron und Blüte ab.

Die Blätter tät ich sammeln
In einen goldnen Krug,
Der fiel mir aus den Händen,
Daß er in Stücke schlug.

Draus sah ich Perlen rinnen
Und Tröpflein rosenrot.
Was mag der Traum bedeuten?
Ach Liebster, bist du tot?

[um 1600]

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Anonym

Heimliche Liebe

O dieser Abend, welch ein Abend!
Es fließt der Strom so sanft und rein.
O diese Stunden, was für Stunden!
Ich darf mit ihm im selben Boote sein.

Oh, ich verberge mein Erröten,
Nicht soll man schelten mich gemein.
O töricht Herz, warum willst du nicht brechen?
Ich weiß, ich fand dem Liebsten mein.

Oh, auf dem Berge stehen Bäume,
Mit vielen Zweigen grün und dicht!
O, wie ich liebe meinen Liebsten!
Und doch, der Liebste weiß es nicht.

ein altes Lied aus der Dschou-Dynastie
Aus dem Chinesischen von R. Wilhelm

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Anonym

Willst du dein Herz mir schenken,
So fang es heimlich an,
Daß unser beider Denken
Niemand erraten kann.
Die Liebe muß bei beiden
Allzeit verschwiegen sein,
Drum schließ die größten Freuden
In deinem Herze ein.

Behutsam sei und schweige
Und traue keiner Wand,
Lieb innerlich und zeige
Dich außen unbekannt.
Kein Argwohn' mußt du geben,
Verstellung nötig ist,
Genug, daß du, mein Leben,
Der Treu versichert bist.

Begehre keine Blicke
Von meiner Liebe nicht.
Der Neid hat viele Tücke
Auf unsern Bund gericht'.
Du mußt die Brust verschließen,
Halt deine Neigung ein,
Die Lust, die wir genießen,
Muß ein Geheimnis sein.

Zu frei sein, sich ergehen
Hat oft Gefahr gebracht.
Man muß sich wohlverstehen,
Weil ein falsch Auge wacht,
Du mußt den Spruch bedenken,
Den ich vorher getan:
Willst du dein Herz mir schenken,
So fang es heimlich an.

um 1650

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Catull

Carmen

Odi et amo.
Quare id faciam, fortasse requiris:
Nescio, sed fieri sentio et excrucior.

Ich hasse und liebe.
Vielleicht fragst du, warum ich das tue:
Ich weiß es nicht, aber ich fühle,
daß es geschieht und ich quäle mich.

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Matthias Claudius

Die Liebe

Die Liebe hemmet nichts;
sie kennt nicht Tür noch Riegel
Und dringt durch alles sich;
Sie ist ohn Anbeginn,
schlug ewig ihre Flügel
Und schlägt sie ewiglich.


Quelle

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Georg Friedrich Daumer

Botschaft

Wehe, Lüftchen, lind und lieblich
Um die Wange der Geliebten,
Spiele zart in ihrer Locke,
Eile nicht, hinweg zu fliehn!
Tut sie dann vielleicht die Frage,
Wie es um mich Armen stehe,
Sprich: Unendlich war sein Wehe,
Höchst bedenklich seine Lage;
Aber jetzo kann er hoffen,
Wieder herrlich aufzuleben,
Denn du, Holde, denkst an ihn.

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Richard Dehmel

Ruf

Immer stiller stehn die Bäume,
nicht ein Blatt mehr scheint zu leben,
und ich fühle Wüstenträume
durch den bangen Mittag beben,

bis ins bange Blut mir zittern,
bis ins Herz, wie Feuerpfeile.
O, ich lechze nach Gewittern!
Komm, Geliebte! eile! eile!

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Anton Delwig

Wir

Klägliche wir! Unser Geist:
   In Nebeln schwer atmende Fackel.
Boot unseres Lebens: Von Tränen -
   Strömen entführt auf ein Meer.
Und unser Glück: Zwischen Trug -
   Bilder verstoßen in eine Wüste...
Wie nach der Kerze das Kind,
   So greifen wir nach der Liebe.

Aus dem Russischen von Hans Baumann


Quelle

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Karoline von Günderrode

Überall Liebe

Kann ich im Herzen heiße Wünsche tragen?
Dabei des Lebens Blütenkränze sehn,
Und unbekränzt daran vorübergehn,
Und muß ich trauernd nicht in mir verzagen?

Soll frevelnd ich dem liebsten Wunsch entsagen?
Soll mutig ich zum Schattenreiche gehn?
Um andre Freuden, andre Götter flehn,
Nach neuen Wonnen bei den Toten fragen?

Ich stieg hinab, doch auch in Plutons Reichen,
Im Schoß der Nächte, brennt der Liebe Glut,
Daß sehnend Schatten sich zu Schatten neigen.

Verloren ist, wen Liebe nicht beglücket,
Und stieg er auch hinab zur styg'schen Flut,
Im Glanz der Himmel blieb er unentzücket.

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Heinrich Heine

Wir haben vie für einander gefühlt

Wir haben viel für einander gefühlt,
Und dennoch uns gar vortrefflich vertragen.
Wir haben oft "Mann und Frau" gespielt,
Und dennoch uns nicht gerauft und geschlagen.
Wir haben zusammen gejauchzt und gescherzt,
Und zärtlich uns geküßt und geherzt,
Wir haben am Ende, aus kindischer Lust,
"Verstecken" gespielt in Wäldern und Gründen,
Und haben uns so zu verstecken gewußt,
Daß wir uns nimmermehr wiederfinden

Willst du dein Herz mir schenken,
So fang es heimlich an,
Daß unser beider Denken
Niemand erraten kann.
Die Liebe muß bei beiden
Allzeit verschwiegen sein,
Drum schließ die größten Freuden
In deinem Herze ein.

Behutsam sei und schweige
Und traue keiner Wand,
Lieb innerlich und zeige
Dich außen unbekannt.
Kein Argwohn' mußt du geben,
Verstellung nötig ist,
Genug, daß du, mein Leben,
Der Treu versichert bist.

Begehre keine Blicke
Von meiner Liebe nicht.
Der Neid hat viele Tücke
Auf unsern Bund gericht'.
Du mußt die Brust verschließen,
Halt deine Neigung ein,
Die Lust, die wir genießen,
Muß ein Geheimnis sein.

Zu frei sein, sich ergehen
Hat oft Gefahr gebracht.
Man muß sich wohlverstehen,
Weil ein falsch Auge wacht,
Du mußt den Spruch bedenken,
Den ich vorher getan:
Willst du dein Herz mir schenken,
So fang es heimlich an.

[um 1650]

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Hugo von Hoffmannsthal

Die Beiden

Sie trug den Becher in der Hand
- Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand-
So leicht und sicher war ihr Gang,
Kein Tropfen aus dem Becher sprang.

So leicht und fest war seine Hand:
Er ritt auf einem jungen Pferde
Und mit nachlässiger Geberde
Erzwang er, daß es zitternd stand.

Jedoch, wenn er aus ihrer Hand
Den leichten Becher nehmen sollte,
So war es beiden allzu schwer:
Denn Beide bebten sie so sehr,
Daß keine Hand die and're fand
Und dunkler Wein am Boden rollte.


Quelle

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Jakob Lenz


Aus ihren Augen lacht die Freude ..

Aus ihren Augen lacht die Freude,
Auf ihren Lippen blüht die Lust,
Und unterm Amazonenkleide
Hebt Mut und Stolz und Drang die Brust;
Doch unter Locken, welche fliegen
Um ihrer Schultern Elfenbein,
Verrät ein Seitenblick beim Siegen
Den schönen Wunsch besiegt zu sein.

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Rainer Maria Rilke

Die Liebende

Ja ich sehne mich nach dir. Ich gleite
mich verlierend selbst mir aus der Hand,
ohne Hoffnung, daß ich Das bestreite,
was zu mir kommt wie aus deiner Seite
ernst und unbeirrt und unverwandt.

... jene Zeiten: O wie war ich Eines,
nichts was rief und nichts was mich verriet;
meine Stille war wie eines Steines,
über den der Bach sein Murmeln zieht.

Aber jetzt in diesen Frühlingswochen
hat mich etwas langsam abgebrochen
von dem unbewußten dunkeln Jahr.
Etwas hat mein armes warmes Leben
irgendeinem in die Hand gegeben,
der nicht weiß was ich noch gestern war.


Quelle

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Rainer Maria Rilke

Die Liebenden

Sieh, wie sie zueinander erwachsen:
in ihren Adern wird alles Geist.
Ihre Gestalten beben wie Achsen,
um die es heiß und hinreißend kreist.
Dürstende, und sie bekommen zu trinken,
Wache und sieh : sie bekommen zu sehn.
Laß sie ineinander sinken,
um einander zu überstehn.

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Sappho

Einsamkeit der Liebenden

Unter gingen der Mond schon
und die Plejaden; Mitternacht
ist es, die Stunden verrinnen,
und ich schlafe allein.

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Frank Wedekind

Galathea

Ach, wie brenn' ich vor Verlangen,
Galathea, schönes Kind,
Dir zu küssen deine Wangen,
weil sie so entzückend sind.
Wonne die mir widerfahre,
Galathea, schönes Kind,
Dir zu küssen deine Haare,
weil sie so verlockend sind.

Nimmer wehr mir, bis ich ende,
Galathea, schönes Kind,
Dir zu küssen deine Hände,
weil sie so verlockend sind.
Ach, du ahnst nicht, wie ich glühe,
Galathea, schönes Kind,
Dir zu küssen deine Knie,
weil sie so verlockend sind.

Und was tät ich nicht,
du süße Galathea, schönes Kind,
Dir zu küssen deine Füße,
weil sie so verlockend sind.

Aber deinen Mund enthülle,
Mädchen, meinen Küssen nie,
Denn in seiner Reize Fülle
küsst ihn nur die Phantasie.