Japanische Lyrik

Anonym - Im Meer des Lebens...
Bashô Berge im Nebel Seht nur!...
Bashô Der stumme Schmetterling Ach Schmetterling!...
Bashô Das letzte Haiku Zu Ende das Wandern...
Bashô - O Wind, der um den Fuji weht...
Bashô - Wer ruft so geheimnisvoll...
Issa - Jetzt müßt ihr mit mir...
Henjo - Nichts ist so rein...
Mukai Kyorei - Dort beugt sich ein Mann...
Natsume Sôseki Am Grunde die Steine Am Grunde die Steine...
Yakamochi - Aus Wolkenschleiern...
Yosana Aki-Ko Die Stufen Die unzählbaren Stufen...
 

 

Anonym

Im Meer des Lebens,
Meer des Sterbens,
in beiden müde geworden,
sucht meine Seele den Berg,
an dem alle Flut verebbt.

aus Japan, 7.Jhd.


Bashô

Berge im Nebel

Seht nur! Selbst die namenlosen Berge
hat der Frühling heute
mit Nebelschleiern zärtlich bedacht!


Bashô

Der stumme Schmetterling

Ach Schmetterling!
Könntest du singen,
in einem Käfig wärst du schon lange!


Bashô

Das letzte Haiku

Zu Ende das Wandern:
Mein Traum, auf dürrer Heide
huscht er umher.

Aus dem Japanischen von Hammitzsch

Gundert, Schimmel, Schubring (Hrsg.): Lyrik des Ostens, München: Carl Hanser Verlag 1965
Quelle


Bashô

O Wind, der um den Fuji weht,
könnt ich doch einen Hauch von dir
in meinem Fächer mit nach Hause nehmen!


Bashô

Wer ruft so geheimnivoll?
War's der Mond?
Da - noch einmal! Der Kuckuck.

Aus dem Japanischen von Manfred Hausmann

Hausmann, Manfred: Vollmondnächte, Japanische Gedichte, Frankfurt am Main: Fischer Verlag 1956
Quelle


Issa

Jetzt müßt ihr mit mir spielen,
Sperlinge.
Auch ich habe keine Mutter mehr.

Aus dem Japanischen von Manfred Hausmann

Hausmann, Manfred: Vollmondnächte, Japanische Gedichte, Frankfurt am Main: Fischer Verlag 1956
Quelle


Henjo

Nichts ist so rein
wie die Seele der Lotosblume.
Warum will sie uns Glauben machen,
die Tautropfen auf ihren Blättern
seien Perlen?

Aus dem Japanischen von Manfred Hausmann


Mukai Kyorei

Dort beugt sich ein Mann
beglückt über eine Blume.
Was will er denn aber mit dem großen Schwert?

Aus dem Japanischen von Manfred Hausmann


Natsume Sôseki

Am Grunde die Steine
scheinen bewegt - so
klar das Bächlein.

Aus dem Japanischen von Günter Debon

Gundert, Schimmel, Schubring (Hrsg.): Lyrik des Ostens, München: Carl Hanser Verlag 1965
Quelle


Otomo No Yakamochi

Aus Wolkenschleiern
sinken Flocken nieder.
Und dennoch schlägt
in meinem Garten
leise die Nachtigall.


Aus dem Japanischen von Manfred Hausmann


Killy, Walther: Deutsche Lyrik von den Anfängen bis zur Gegenwart, München: Deutscher Taschenbuchverlag GmbH &Co. 2001
Quelle



Yosana Aki-Ko

Die Stufen

Die unzählbaren
Stufen
zu meinem Herzen,
zwei, drei vielleicht
ist er hinaufgegangen.

Aus dem Japanischen von Günther Debon

Gundert, Schimmel, Schubring (Hrsg.): Lyrik des Ostens, München: Carl Hanser Verlag 1965
Quelle