Gedichte über den Hausbau und zum Einzug

 


 
Anonym Der gute gruz Der gute gruz...
Anonym Haussprüche In jedes Haus, wo Liebe wohnt...
a Santa Clara, Abraham Beim Bauen Beim Bauen...
Eichendorff, Joseph v. Glückwunsch Brech der lustige...
Goethe, J.W. - Herr lass dir gefallen...
Immermann, Karl - Wir regen die Hände...
Rückert, Friedrich - Mal innen dein Zimmer aus...
Trojan, Johannes Hauszauber Es ist, als müßt ein Zauber...

Anonym

Der gute gruz

Der gute gruz, der vreut den gast, swen er in gat.
Vil wol dem wirte,
daz in syme huse stat,
Daz er mit tzuchten wese vor
Vnde bietez syme gaste so,
Daz ym der wille dvnke gut,
den er kegen ym keret.
Mit lichter kost erdienet lob,
Swer vremden man wol eret.

Herzlicher Gruß

Herzlicher Gruß erfreut den Gast, wenn er einkehrt.
Gepriesen sei der Hausherr,
in dessen Haus es so zu geht,
dass er sich mit Anstand fröhlich zeigt
und seinem Gast so entgegentritt,
dass diesem die Gesinnung herzlich erscheint,
mit der jener sich ihm zuwendet.
Mit geringem Aufwand verdient sich ein Lob,
wer dem Fremden Ehre widerfahren lässt.


Quelle

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Anonym

Haussprüche


Dies Haus ist mein und doch nicht mein,
der nach mir kommt, kann's auch nur leih'n,
und wird dem Dritten übergeben,
hat er es auch nur für sein Leben!
Den Vierten trägt man auch hinaus,
sag', wem gehört nun dieses Haus?

          *

 

In jedes Haus, wo Liebe wohnt,
da scheint hinein auch Sonn und Mond,
und ist es noch so ärmlich klein,
es kommt der Frühling doch herein.

          *
Gott schütze uns vor Feuer und Wind
und vor Arbeitern, die langsam sind.

Aus Mecklenburg

          *

Wenn dieses Haus so lang nur steht,
bis aller Neid und Haß vergeht,
dann bleibt's fürwahr so lange stehn,
bis die Welt wird untergehn.

Grüß Gott, tritt ein,
Bring Glück herein.

          *

Wer nicht will fromm und friedlich sein,
Kommt nicht zu dieser Tür herein.

          *

Klein,
Aber mein!

          *

Einer acht's,
Der andre verlacht's,
Der dritte betracht's,
Was macht's?

          *

Wer besser kehren will
Als ich vor meinem Haus,
Der kehre stets in der Still
Sein Gewissen aus.

          *

Was steht ihr da und tut gaffen?
Geht an eure Arbeit und tut schaffen.

          *

Was stehst du hier vor diesem haus
Und läßt dein böses Maul dran aus?
Ich hab's gebaut, wie mir's gefällt,
Es kostet mein und nicht dein Geld.

          *

Bauen war eine Lust,
Aber was es gekost't,
Hab ich vorher nicht gewußt.

          *

O heiliger Sankt Florian,
Verschon' mein Haus, zünd' andre an.

          *

Nicht Kunst, nicht Fleiß, nicht Arbeit nützt,
Wenn Gott, der Herr, den Bau nicht schützt.

          *

Der göttliche Segen erfülle das Haus
Und die da gehen ein und aus.

          *

Das Bauen wär' eine feine Kunst,
Wenn einer hätt das Geld umsunst.

          *

Wann die Esel Flöten blasen
Und Schnecken springen wie die Hasen,
Wenn mein Weib tut nimmer zanken,
Dann erst soll dieser Giebel wanken.

          *

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a Santa Clara Abraham


Beim Bauen

Beim Bauen
muss man schauen
sich nicht zu verhauen,
sonst kommt man in des Elends Klauen.


Quelle

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Joseph von Eichendorff

Glückwunsch

Brech der lustige Sonnenschein
Mit der Tür Euch ins Haus hinein,
Daß alle Stuben so frühlingshelle;
Ein Engel auf des Hauses Schwelle
Mit seinem Glanze säume
Hof, Garten, Feld und Bäume,
Und geht die Sonne abends nie aus,
Führ er die Müden mild nach Haus.

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Johann Wolfgang von Goethe

Herr, laß dir gefallen
Dieses kleine Haus,
Größre kann man bauen,
Mehr kommt nicht heraus.

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Karl Immermann

Wir regen die Hände
und gründen die Wände,
wir kamen vom Fach
bis unter das Dach.
Gott wollt es beschützen
vor Donner und Blitzen,
vor Regen und Sturm
und Mäusen und Wurm!
Vor Schwamm, dem versteckten,
vor vielen Kollekten,
vor Schulden im Buch
und schlechten Besuch!

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Friedrich Rückert

Mal innen dein Zimmer aus,
Daß sich daran dein Aug erquicke;
Laß außen ungeschmückt dein Haus,
Daß es nicht reize Feindesblicke.

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Johannes Trojan

Hauszauber

Es ist, als müßt ein Zauber,
Dabei im Spiele sein,
Daß alles ist so sauber
Im Hause und so rein:
Die Dielen und die Wände,
Das Holzgerät und Glas -
Und sind doch nur zwei Hände,
Nur die bewirken das.

Ertritt man nur die Schwelle,
So fühlt man sich schon froh.
Es waltet eine Helle
Im Haus, die schmückt es so.
Viel Pracht nicht würde taugen
dazu und Reichtum nicht -
Es ist nur ein paar Augen,
Das spendet so viel Licht.

So ruhig ist es drinnen,
Man hört kein lautes Wort,
Wer Hader denkt zu spinnen,
Bleibt von der Türe fort.
Es ist so eine Stille
Im Hause allerwärts -
Und diese ganze Fülle
Des Friedens schafft ein Herz.


Quelle