Angelus Silesius
Aus: Heilige Seelenlust oder geistliche Hirtenliede
Ich habe meinem besten Freund
Die Freundschaft aufgesaget
Und ihn, wie treu ers auch gemeint,
Von mir hinweg gejaget.
Ich habe mich zum Feind gewendt
Und bin sein Sklave worden,
Zum Feind, der mich doch hat behend
Auf ewig wolln ermorden.
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Marie Ebner-Eschenbach
Einen Menschen wissen
Einen Menschen wissen,
der dich ganz versteht,
der in Bitternissen
immer zu dir steht,
der auch deine Schwächen liebt
weil du bist sein;
dann mag alles brechen
du bist nie allein. ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Ludwig Eichrodt
Freundschaft
Was aber hätt ich von dieser Welt,
Und hätt ich, was ich wünscht, im Nu,
Was Herz erwärmt und Geist erhellt,
Und hätt keinen Freund dazu?
Was hätt ich von aller Liebe gar,
Was hätt ich von dem funkelnden Wein,
Wenn Alles, was süß mir ist und war,
Nur blühte für mich allein?
Was wollt ich mit der schwellenden Brust
Und schütte sie arglos nimmer aus?
Vergrabenes Leid, verschlossene Lust,
Das ist der Seelengraus.
Der Alles überdauern muß,
Wenn dir so manche Blüthe geknickt,
Das ist des Geistes kräftiger Genuß,
Der ewig verjüngt, erquickt.
Es ist allein der liebende Freund,
Der Einen ganz und gar versteht,
Der mitgelacht und mitgeweint,
Geärntet, was mitgesät.
Dann erst, o dann, geschähs einmal,
Da würd es einsam in dir und leer,
Wenn deine Freunde wegstürben all,
Würde dirs Leben schwer.
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Ludwig Eichrodt
Von der Freundschaft
Wer keinen Freund gefunden,
Und immer stand allein,
Der hat auch nie empfunden recht
Das Glück, ein Mensch zu sein.
Wer keinen Freund gefunden,
Der ist vielleicht ein - Christ;
Der ist vielleicht ein Schurke traun!
Wenn er kein Esel ist.
Vielleicht ein Unglücksvogel
Mag der Verkannte sein,
Doch der ist auch der Einzige,
Dem ich es kann verzeihn.
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Christian Fürchtegott Gellert
Ein Freund, der mir den Spiegel zeiget,
den kleinsten Flecken nicht verschweiget,
mich freundlich warnt, mich herzlich schillt,
wenn ich nicht meine Pflicht erfüllt:
Der ist mein Freund.
Freundschaft
Der Freund, der mir den Spiegel zeiget,
Den kleinsten Flecken nicht verschweiget,
Mich freundlich warnt, mich ernstlich schilt,
Wenn ich nicht meine Pflicht erfüllt:
Der ist mein Freund,
So wenig er es scheint.
Doch der, der mich stets schmeichelnd preiset,
Mir Alles lobt und nichts verweiset,
Zu Fehlern gern die Hände beut
Und mir vergibt, eh' ich bereut:
Der ist mein Feind,
So freundlich er auch scheint.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------- Karl Henckell
Einem fernen Freund
Mit dem »Du« im Herzen darf man schweigen,
Um so tiefer dann sein Innres zeigen,
Wenn die Stunde kommt, da ganz allein
Leben sich dem Leben drängt zu weihn . . .
Und es ist ein still beständig Wissen,
Und es ist ein ruhiges Vertrauen:
Unser Freundeskranz wird unzerrissen
Schweben in Maienlüften wie in rauhen
Sturmesnächten schlimmeren Geschicks . . .
Nein, es ist kein Rausch des Augenblicks,
Wie ihn rasches Jugendblut verdampft,
Keine Traumsaat, die der Tag zerstampft –
Wir belauschen unser altes Spiel
Und gedenken und besinnen viel . . . -
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Friedrich Hölderlin
Freundschaft
Wenn Menschen sich aus innrem Werte kennen,
So können sie sich freudig Freunde nennen,
Das Leben ist den Menschen so bekannter,
Sie finden es im Geist interessanter.
Der hohe Geist ist nicht der Freundschaft ferne,
Die Menschen sind den Harmonien gerne
Und der Vertrautheit hold, daß sie der Bildung leben,
Auch dieses ist der Menschheit so gegeben.
Mit Untertänigkeit
Scardanelli.
d. 20 Mai 1758.
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Sibylla Schwarz
Wahre Freundschafft ist beständig
Ein Freund / ders treulich meint / kan seinen Freund nicht lassen /
er lieb ihn mundlich dan / und tuh ihn herzlich hassen;
Kein Strick ist ihm zu stark / sol er zum Freunde gehn /
das zugeschlossne Tohr wird allzeit offen stehn;
Wenn er nuhr durch Begier wil zu dem Freunde dringen /
so hält ihn nichtes auff / kein Seitenspiel / kein singen /
das sonsten angenehm in allen Ohren klingt:
Kein Tod ists / der ihn auch vohn seinem Feinde dringt;
Der süssen Liebe Gifft kan manchen zwahr betöhren /
daß er / auß böser Lust / nicht will vohn Freundschafft hören /
ohn / derer er begehrt; doch lis't man weit und breit /
daß einer eines mahls / nuhr auß Vertrauligkeit /
dem anderen sein Weib / sein Lieb / sein Liecht / sein Leben /
als ers vohn ihm begehrt / selbselbsten hab gegeben;
drümb gläub ich / daß kein Ding so stark eß immer sey /
ohn Gottes Macht / den Band der Freundschaft reiß' entzwey. |