Charles Baudelaire
Der Albatros
Zuweilen fängt das Schiffsvolk, aufgelegt zum Spiele,
die Vögel, deren Flug die Meere überspannt;
gleichmütige Gefährten, folgen sie dem Kiele,
er gleitet, über bittren Abgrund hingesandt.
Kaum sind die Könige der Bläue zu den Planken
erniedrigt, lassen sie, von Ungeschick bedrängt
und Scham, die weißen Schwingen kläglich an den Flanken
hinschleifen, wie ein Ruder schlaff am Nachen hängt.
Der lahme Gast! So schön geflügelt, daß er schweife,
wie steht er linkisch, häßlich! Komisch in der Schmach!
Den Schnabel neckt einer mit der Stummelpfeife,
ein andrer äfft den siechen Flieger humpelnd nach.
Der Dichter gleicht dem Fürsten auf der hohen Wolke,
der eines Bogners lacht, behaust in des Sturmeswehn;
zum Boden her verbannt hört er nur Spott im Volke,
sein Riesenfittich hindert ihn, im Schritt zu gehn.
Aus dem Französischen von Wilhelm Hausenstein

Quelle
Arthur Rimbaud
Empfindung
Durch blaue Sommerabende die Wege hin,
Gespickt von Ähren, will auf zartem Gras ich gehen;
Träumend, fühl ich es kühl meine Füße umziehn,
Badend im offnen Haar laß ich den Wind mir wehen.
Nichts will ich sprechen, bin nichts zu denken gesinnt,
Doch in der Seele steigt unendlich Liebesschauen;
Weit will ich gehn, sehr weit, wie ein Zigeunerkind,
durch die Natur, - so glücklich wie mit einer Frauen.
Aus dem Französischen von Walther Küchler
An blauen Abenden geh ich auf Pfaden,
die eng umsäumt von goldnen Saten sind,
in tiefem Traum. Mit leisen Wellen baden
das bloße Haupt mir Ernteduft und Wind.
Ich spreche nichts... Ich denke nichts... Ich träume nur.
Und eine Liebe ist in mir erwacht,
so grenzenlos... Ich wandle durch die Flur
so selig wie in einer Liebesnacht.
Aus dem Französischen von Stefan Zweig

Quelle
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