Baumgedichte

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Ahlefeld, Charlotte An meinen Lieblingsbaum Die Träume...
Baumbach, Rudolph Die Gäste der Buche Mietgäste vier im Haus...
Geibel, Emanuel - Es stand in meinem Hage...
Meyer, Conrad Ferdinand Der verwundete Baum Sie haben mit dem Beile...
Wille, Bruno Einsamer Baum Zersplissen ist mein Haupt...

 

Charlotte Ahlefeld

An meinen Lieblingsbaum

Die Träume, die in stillen Feierstunden,
Die dunkler Schatten mir so oft verlieh,
Die süsse Ruh, die ich bei Dir gefunden,
Mein Lieblingsbaum, o die vergess' ich nie!

Oft sah ich neben Dir die Sonne untergehen,
Entzückt von ihres Anblicks Majestät.
Oft hat des Herbstes lindes, kühles Wehen
Mit Deinem bunten Laub mich übersäet.

Vor meinen Blicken schwebten holde Bilder,
Im lichten Glanz der Jugendfantasie,
Da träumt ich mir des Schicksals Härte milder,
Und jeder Misston wurde Harmonie.

Und liebend grub ich einst in Deine Rinde
Den Nahmenszug, der in mir brannte, ein,
Auch darum wirst Du mir, Du stille Linde,
Vor allen Bäumen ewig theuer seyn.

Wenn sich in Deinen blüthenvollen Zweigen
Des Westens leiser Odem kaum bewegt,
Fühlt mein Gemüth sich durch das tiefe Schweigen
Der heiligen Natur so ernst erregt.


Dann denk' ich all' der Wünsche, die vergebens
In meine Seele kamen, und entflohn,
Und seufze: wär' der kurze Traum des Lebens
Vorüber, wie so manche Hoffnung schon.

Und wäre einst nach meiner Tage Mühen,
O Baum, den stets mein Herz mit Liebe nennt,
Ein stilles Grab mir unter Dir verliehen,
Du wärest dann mein liebstes Monument.


Quelle

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Rudolph Baumbach


Die Gäste der Buche

Mietgäste vier im Haus
hat die alte Buche.
Tief im Keller wohnt die Maus,
nagt am Hungertuche.

Stolz auf seinen roten Rock
und gesparten Samen
sitzt ein Protz im ersten Stock;
Eichhorn ist sein Name.

Weiter oben hat der Specht
seine Werkstatt liegen,
hackt und zimmert kunstgerecht,
dass die Späne fliegen.


Auf dem Wipfel im Geäst
pfeift ein winzig kleiner
Musikante froh im Nest. –
Miete zahlt nicht einer.

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Emanuel Geibel

Es stand in meinem Hage
Ein Eichbaum kronenlos;
Von jähem Wetterschlage
Zerspalten war sein Schoß.

Ihn schmückten keine Blätter,
Kein Vöglein kam ihm nah,
Er stand in Sonn' und Wetter
Ein dunkler Riese da.

Und sah ich fern ihn ragen,
Geschah mir's wie ein Leid;
Ich schaut' in ihm zerschlagen
Die deutsche Herrlichkeit.

Doch als mit Braus gefahren
Der Frühling heuer kam,
Mocht' ich am Baum gewahren
Ein Zeichen wundersam.

Von neuer Kraft durchquollen
Urplötzlich trieb der Schaft,
Die knorr'gen Zweige schwollen
Getränkt von üppigem Saft;

Hervor brach unverdrossen
In tausend Knospen bald,
In tausend lichten Sprossen
Des Lebens Urgewalt.

Und wo noch jüngst vom Stamme
So kahl die Äste sahn,
Schien eine grüne Flamme
Zu spielen himmelan.

Und wie der Wind die Zungen
Der Flamme rauschend bog,
Und wie die Vögel sungen
Im dichten Laubgewog,

Da kam auf mich hernieder
Ein frischer Hoffnungstraum:
Getrost! So grünt auch wieder
Dereinst des Reiches Baum.


Quelle

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Conrad Ferdinand Meyer

Der verwundete Baum

Sie haben mit dem Beile dich zerschnitten,
Die Frevler - hast du viel dabei gelitten?
Ich selber habe sorglich dich verbunden
Und traue: Junger Baum, du wirst gesunden!
Auch ich erlitt zu schier derselben Stunde
Von schärferm Messer eine tiefre Wunde.
Zu untersuchen komm ich deine täglich,
Und meine fühl ich brennen unerträglich.
Du saugest gierig ein die Kraft der Erde,
Mir ist, als ob auch ich durchrieselt werde!
Der frische Saft quillt aus zerschnittner Rinde
Heilsam. Mir ist, als ob auch ichs empfinde!
Indem ich deine sich erfrischen fühle,
Ist mir, als ob sich meine Wunde kühle!
Natur beginnt zu wirken und zu weben,
Ich traue: Beiden geht es nicht ans Leben!
Wie viele, so verwundet, welkten, starben!
Wir beide prahlen noch mit unsern Narben!

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Bruno Wille

Einsamer Baum

Zersplissen ist mein Haupt
Von schwarzem Wolkenwetter;
Herbstwind und Regen raubt
Die abgestorbenen Blätter:
So rag ich ganz allein
Aus ödem Heidekraut
Und träume von dem Hain,
Der weit verloren blaut.

Oft, wenn mit grimmer Wucht
Mich packt ein nächtlich Brausen,
Raff ich mit jähem Grausen
Zusammen mich zur Flucht;
Doch halten zähe Schollen
Mich an den Wurzeln fest. -
Da steh ich nun mit Grollen,
Wild schüttelnd mein Geäst...