Adalbert von Chamisso
Die alte Waschfrau
Du siehst geschäftig bei dem Linnen
Die Alte dort in weißem Haar,
Die rüstigste der Wäscherinnen
im sechsundsiebenzigsten Jahr.
So hat sie stets mit sauerm Schweiß
Ihr Brot in Ehr und Zucht gegessen
Und ausgefüllt mit treuem Fleiß
Den Kreis, den Gott ihr zugemessen.
Sie hat in ihren jungen Tagen
Geliebt, gehofft und sich vermählt;
Sie hat des Weibes Loos getragen,
Die Sorgen haben nicht gefehlt;
Sie hat den kranken Mann gepflegt,
Sie hat drei Kinder ihm geboren;
Sie hat ihn in das Grab gelegt
Und Glaub' und Hoffnung nicht verloren.
Da galt's, die Kinder zu ernähren;
Sie griff es an mit heiterm Mut,
Sie zog sie auf in Zucht und Ehren,
Der Fleiß, die Ordnung sind ihr Gut.
Zu suchen ihren Unterhalt
Entließ sie segnend ihre Lieben,
So stand sie nun allein und alt,
Ihr war ihr heitrer Mut geblieben.
Sie hat gespart und hat gesonnen
Und Flachs gekauft und nachts gewacht,
Den Flachs zu feinem Garn gesponnen,
Das Garn dem Weber hingebracht;
Der hat's gewebt zu Leinewand.
Die Schere brauchte sie, die Nadel,
Und nähte sich mit eigner Hand
Ihr Sterbehemde sonder Tadel.
Ihr Hemd, ihr Sterbehernd, sie schätzt es,
Verwahrt's im Schrein am Ehrenplatz;
Es ist ihr Erstes und ihr Letztes,
Ihr Kleinod, ihr ersparter Schatz.
Sie legt es an, des Herren Wort
Am Sonntag früh sich einzuprägen;
Dann legt sie's wohlgefällig fort,
Bis sie darin zur Ruh sie legen.
Und ich, an meinem Abend, wollte,
Ich hätte, diesem Weibe gleich,
Erfüllt, was ich erfüllen sollte
In meinen Grenzen und Bereich;
Ich wollt', ich hätte so gewußt
Am Kelch des Lebens mich zu laben,
Und könnt' am Ende gleiche Lust
An meinem Sterbehemde haben. [1835] 
Quelle
-------------------------------------------------------------------------------------- Adalbert von Chamisso
Zweites Lied von der alten Waschfrau Es hat euch anzuhören wohl behagt,
Was ich von meiner Waschfrau euch gesagt;
Ihr habt's für eine Fabel wohl gehalten?
Fürwahr, mir selbst erscheint sie fabelhaft;
Der Tod hat längst sie alle hingerafft,
Die jung zugleich gewesen mit den Alten.
Dies werdende Geschlecht, es kennt sie nicht
Und geht an ihr vorüber ohne Pflicht
Und ohne Lust, sich ihrer zu erbarmen.
Sie steht allein. Der Arbeit zu gewohnt,
Hat sie, solang' es ging, sich nicht geschont;
Jetzt aber, wehe der vergess'nen Armen!
Jetzt drückt darnieder sie der Jahre Last;
Noch emsig thätig, doch entkräftet fast
Gesteht sie ein: "So kann's nicht lange währen.
Mag's werden, wie's der liebe Gott bestimmt;
Wenn er nicht gnädig bald mich zu sich nimmt, -
Nicht schafft's die Hand mehr - muss er mich ernähren."
Solang' sie rüstig noch beim Waschtrog stand,
War für den Dürst'gen offen ihre Hand;
Da mochte sie nicht rechnen und nicht sparen.
Sie dachte bloß: "Ich weiß, wie Hunger thut." -
Vor eure Füsse leg' ich meinen Hut,
Sie selber ist im Betteln unerfahren.
Ihr Fraun und Herrn, Gott lohn' es euch zumal,
Er geb' euch dieses Weibes Jahre Zahl
Und spät dereinst ein gleiches Sterbekissen!
Denn wohl vor allem, was man Güter heißt,
Sind's diese beiden, die man billig preist:
Ein hohes Alter und ein rein Gewissen. 
Quelle
-------------------------------------------------------------------------------------- Otto Ernst
Karriere Er stieg von Amt zu Amt mit stetem Glück,
Verkehrte höflich selbst mit Erzhalunken,
Wich freundlich hier und freundlich dort zurück -
Und so ist er gemach emporgesunken.
-------------------------------------------------------------------------------------- Emanuel Geibel
52. Proben gibt es zwei, darinnen
Sich der Mann bewähren muß:
Bei der Arbeit recht Beginnen,
Beim Genießen rechter Schluß. aus: Juniuslieder 
Quelle
-------------------------------------------------------------------------------------- Franz Grillparzer
Poesie der Arbeit Die Arbeit ist etwa auch poetisch,
Wir wollen da nicht streiten lang;
Doch ist die Wahrheit antithetisch,
Denn poetischer noch ist der Müßiggang. 
Quelle
-------------------------------------------------------------------------------------- Anastasius Grün
Einem Pädagogen
Der Gärtner denkt nicht mehr der frühern Sorgen,
Wenn seine Blumen blühen;
Der Pflüger auch vergaß der alten Mühen,
Wenn er sein Korn geborgen;
Des Tages Last versüßt es dem Gemüthe,
Das klug von jenen lernte,
Beim Pflanzen schon zu denken an die Blüthe,
Beim Säen an die Ernte.
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Gotthold Ephraim Lessing
Lob der Faulheit Faulheit jetzo will ich dir
Auch ein kleines Loblied bringen.-
O -- wie -- sau -- er -- wird es mir, --
Dich -- nach Würden -- zu besingen!
Doch, ich will mein Bestes tun,
Nach der Arbeit ist gut ruhn.
Höchstes Gut, wer Dich nur hat,
Dessen ungestörtes Leben --
Ach! -- ich -- gähn -- ich -- werde matt --
Nun -- so -- magst du -- mir`s vergeben,
Daß ich Dich nicht singen kann;
Du verhinderst mich ja dran. 
Quelle
-------------------------------------------------------------------------------------- Friedrich von Logau
Fleiß bringt Schweiß, Schweiß bringt Preis Iedermann hat gerne Preis;
Niemand macht ihm gerne Schweis.
Wer der Arbeit Marck will nissen,
Muß ihr Bein zu brechen wissen. 
Quelle
-------------------------------------------------------------------------------------- Friedrich von Logau
Gesegnete Arbeit Daß unser Feld ietzt nichts als Dorn und Disteln träget,
Drum schwitzet unser Leib, und unser Hertze schläget.
Doch laß ich mich auff Gott; der sehe, was er thut,
Dieweil er dißfalls spricht: Wol dir, du hast es gut! 
Quelle
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Friedrich von Logau
Vergebene Arbeit Einen Mohren weiß erwaschen,
Trincken auß geleerten Flaschen,
Einen Esel nackt beschehren,
Eine Sackpfeiff abehären,
Einen Peltz im heissen baden,
Mit dem Siebe Wasser laden,
Einem Tauben Lieder singen,
Sand in ein Register bringen,
In den Wind und Wasser schreiben,
Flugwerck ohne Flügel treiben,
Auff den Sand Paläste bauen,
Weibern auff die Tücken schauen,
Wind, Lufft, Lieb und Rauch verhalten,
Jünger machen einen Alten,
Einen dürren Wetzstein mästen,
Osten setzen zu dem Westen,
Allen Leuten wol behagen,
Allen was gefällig sagen:
Wer sich deß wil unterstehen,
Muß mit Schimpff zurücke gehen. 
Quelle
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Georg Weerth
Die goldne Sonne hat
Sich nun hinwegbegeben,
Und über der grauen Stadt
Die Abendwolken schweben. Die Glocken, groß und klein,
Geben ein lieb Geläute -
Laßt nun die Arbeit sein,
Es ist genug für heute.

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