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-Schattenseiten-



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Emanuel Geibel



Für Musik

Nun die Schatten dunkeln,
Stern an Stern erwacht;
Welch ein Hauch der Sehnsucht
Flutet in die Nacht.

Durch das Meer der Träume
Steuert ohne Ruh,
Steuert meine Seele
Deiner Seele zu.

Stephenson, Carl (Hrsg.): Die schönsten Gedichte aus acht Jahrhunderten, Eltville am Rhein: Bechtermünz Verlag GmbH 1988
Quelle

 

 

 

 


Hermann Löns


Schatten

Krauser Birkenzweige Schatten
Tanzen auf dem weißen Sand.
Meine Augen sind voll Sehnsucht
Auf die Schatten hingebannt.

Deiner Locken Schatten denk ich,
Die auf deiner Stirne sind,
Die bei meinen Seufzern tanzen,
Wie die Zweige in dem Wind.


Quelle

 

 



Paul Celan


ES IST NICHT MEHR
diese
zuweilen mit dir
in die Stunde gesenkte
Schwere. Es ist
eine andere.


Es ist das Gewicht, das die Leere zurückhält,
die mit-
ginge mit dir.
Es hat, wie du, keinen Namen. Vielleicht
seid ihr dasselbe. Vielleicht
nennst auch du mich einst
so.

 

       
 

Friedrich Rückert

Du bist ein Schatten am Tage...

Du bist ein Schatten am Tage
Und in der Nacht ein Licht;
Du lebst in meiner Klage
Und stirbst im Herzen nicht.

Wo ich mein Zelt aufschlage,
Da wohnst du bei mir dicht;
Du bist mein Schatten am Tage
Und in der Nacht mein Licht.

Wo ich auch nach dir frage,
Find' ich von dir Bericht,
Du lebst in meiner Klage
Und stirbst im Herzen nicht.

Du bist ein Schatten am Tage,
Doch in der Nacht ein Licht;
Du lebst in meiner Klage
Und stirbst im Herzen nicht.

   

     
   
 

Georg Trakl

An Mauern hin

Es geht ein alter Weg entlang
An wilden Gärten und einsamen Mauern.
Tausendjährige Eiben schauern
Im steigenden fallenden Windgesang.

Die Falter tanzen, als stürben sie bald,
Mein Blick trinkt weinend die Schatten und Lichter.
Ferne schweben Frauengesichter
Geisterhaft ins Blau gemalt.

Ein Lächeln zittert im Sonnenschein,
Indes ich langsam weiterschreite;
Unendliche Liebe gibt das Geleite.
Leise ergrünt das harte Gestein.



Quelle