Kleines Lexikon lyrischer Fachbegriffe (im Aufbau)

 
     

Die Lyrik ist neben der Dramatik und Epik eine der drei Gattungen der Dichtung.
Charakteristisch ist ihre Verbindung mit Musik, ihre relative Kürze bei vielfältiger formaler
und sprachlicher Kunst und eine eher subjektive Erlebnishaftigkeit.
Ihr Name geht auf das einer Leier ähnliche Musikinstrument Lyra zurück,
auf dem im antiken Griechenland Gesänge begleitet wurden.

Die Lyrik umfasst mehrere Gattungsformen u.a. das Lied, die Ode, die Elegie, die Hymne, sowie die didaktische Dichtung (Spruch- und Lehrdichtung).
Das lyrische wird oft mit epischen und dramatischen Elementen verbunden, so dass eine eindeutige Zuordnung erschwert wird (z.B. Ballade).
Als konstante Elemente der Lyrik gelten Rhythmus, Vers und Metrum;
teilweise Reim und Strophe.

 
     
Begriffe nach Index    
Abecedarium Cento Haiku Ode Terzine
Allegorie Chevy-Chase-Strophe Hexameter Pentameter Trochäus
Alexandriner Daktylus Hymne Reim Versmaß
Alliteration Distichon Jambus Rhythmus Zäsur
Anagramm Elegie Knittelvers Schüttelreim  
Anapäst Enjambement Limerick Senryû
Anapher Epigramm Metapher Sonett
Annominatio Figurengedicht Metonymie Stanze
Ballade Metrum Symbol
  Synkope

Abecedarium
Jedes Wort, Vers oder Strophe beginnt mit einem neuen Buchstaben des Alphabetes,
dies entweder als einfache Form,

z.B.

A B C, Kopf in die Höh'!
D E F, wart, ich treff!
G H I, das macht Müh'!
J K L, nicht so schnell!
M N O, lauf nicht so!
P Q R, das ist schwer!
S T U, hör mir zu!
V W X, mach 'nen Knicks!
Y Z, geh zu Bett!

oder als verschlungene Form (AZBWCV).
Das Abecedarium trat bereits in der jüdischen und christlichen Liturgie auf,
fand dann als sprachspielerischer Form in Lern- und Kindergedichten Verwendung.


Allegorie
bildhafte Umschreibung eines abstrakten Begriffs oder Vorganges, oftmals in Form einer Personifikation.
Von der Allegorie abzugrenzen ist der Begriff des Symbols und der Metapher.

Beispiele:

Amordarstellung als Liebesgott,
Eule als Weisheitssymbol.


Alexandriner
sechshebiger jambischer Reimvers mit 12 oder 13 Silben (je nachdem, ob in weiblicher oder männlicher Form endend).
Nach der 3. Hebung weist der Alexandriner eine feste Zäsur auf, so dass sich eine Aufteilung in 2 Halbverse ergibt.
Der Begriff wurde nach dem Alexanderroman geprägt. Ab dem 17.Jhd. wurde der Alexandriner für Sonette häufig verwendet,
ab dem 18.Jhd. durch den Hexameter und Blankvers verdrängt.


Alliteration (Stabreim)
Die Alliteration ist ein rhetorisches Mittel, bei dem der Anfangsbuchstabe bzw. Anfangslaut
in einer Folge von Wörtern wiederholt wird, um einen besonderen Klangeffekt zu erzielen.
Die Begriffsdefinition geht auf den Humanisten G.Pontano (Dialog "Acticus") in Anlehnung
an die Annominatio zurück. Im 18.Jhd. wurde noch der Begriff Parachrese,
Homöoprophoron und Paramoion verwendet. Der Ursprung liegt im Bereich magischer
Beschwörungsformeln ( 2.Merseburger Zauberspruch).
Die Alliteration ist die älteste Form der Versbindung in der germanischen und der
angelsächsischen Dichtung, z.B. im Nibelungenlied.

Beispiele:

Weia! Waga! Woge, du Welle,
walle zur Wiege!

Komm Kühle,
komm küsse den Kummer

Süß säuselnd von sinnender Stirn


Anagramm
Anagramme entstehen durch Versetzen von Buchstaben innerhalb eines Wortes
oder einer Wortgruppe zu einer neuen sinnvollen Lautfolge.
Die ältesten überlieferten Anagramme stammen von dem griechischen Dichter
Lykophoron von Chalkis (3.Jhd. v.u Z.).
Anagramme erfreuen sich seit Jahrhunderten großer Beliebtheit,
sei es als Verwendung für Pseudonyme, symbolische Bezüge, Rätsel u.ä.

Beispiele:

Lampe - Palme
Eva - Ave


Anapäst
Aus der Antike hergeleiteter Versfuß (griech.= zurückgeschlagener Daktylus) mit
der Notation, dass auf zwei unbetonte Silben eine betonte folgt (xxX).

Beispiel: Paradies, Anapäst

 


Anapher
Die Anapher ist eine häufige - insbesondere in der Bilbel verwendete rhetorische Figur, bei der sich ein Wort oder eine
Wortgruppe einmalig oder mehrfach wiederholt. Das Gegenstück dazu ist die Epipher.

Notation: x ... / x ... [/ x ...]

Beispiel: Goethe in Lied des Harfenmeister aus Wilhelm Meisters Lehrjahre:
Wer nie sein Brot mit Tränen aß / Wer nie die kummervollen Nächte / Auf seinem Bette weinend saß...


Annominatio
Ein Wortspiel, das in der Zusammenstellung von Wörtern gleicher oder ähnlicher Lautung,
aber unterschiedlicher, im Zusammenhang oft gegensätzlicher Bedeutung steht.

Als eine Sonderform der A. ist gelegentlich die Alliteration aufgefasst worden.

Beispiele:
Eile mit Weile.
Der Rheinstrom ist worden zu einem Peinstrom. (F. Schiller in "Wallensteins Lager")


Ballade
Die Ballade ist ursprünglich ein aus dem Mittelalter stammendes provenzalisches Lied, das von Tanzenden gesungen wurde (italienisch: ballata, provenzalisch: balada=Tanzlied)

Die Ballade gibt eine Geschichte wieder, ist Mischform mit Epik und, da häufig in rollenverteilter wörtlicher Rede, Dramatik.

Als eigenständige Form entwickelte sich die Ballade erst im 14. Jahrhundert im Werk des französischen Dichters Guillaume de Machault.
Die bekanntesten Beispiele früher Balladen stammen ebenfalls von französischen Dichtern des 14. und 15. Jahrhunderts, insbesondere von François Villon und Charles d'Orléans.
Zu dieser Zeit waren sie auch in England verbreitet (Geoffrey Chaucer, Complaint to His Empty Purse), wo sie später im Symbolismus eine Renaissance erlebten (Algernon Swinburne, Dante Gabriel Rossetti).
In Nordeuropa griff die Ballade auf das episch-dramatische Inventar des alten Heldenliedes zurück und brachte das Genre der Volksballaden hervor (Heldenballade, Legendenballade usw.).
In der Klassik und Romantik entstanden Sammlungen der alten Volksballaden, so in Deutschland durch Johann Gottfried von Herder, Clemens Brentano und Achim von Arnim bzw. Wilhelm Grimm, und initiierten dort das Entstehen der Kunstballade. Bekannte Beispiele sind Gottfried Bürgers Lenore und Goethes Der Erlkönig.
Die deutsche Balladentradition wurde im 19. Jahrhundert fortgesetzt (Adalbert von Chamisso, Ludwig Uhland, Heinrich Heine, Theodor Fontane).
Bertolt Brecht schuf unter Verwendung der Bänkellied-Variante die politische Ballade, die nach 1945 zum beherrschenden Typus avancierte, so etwa bei Wolf Biermann, Peter Hacks und Günter Kunert.


Cento
Der Begriff entstammt dem Lateinischen und bedeutet Flickwerk.
Er beschreibt ein Gedicht, welches aus den Versen verschiedener Texte/Dichter zusammengesetzt ist und
häufig in der antiken Dichtung und bei christlichen Dichtern oder zu parodistischen Zwecken verwendet wird.


Chevy-Chase-Strophe
Der Begriff der Chevy-Chase-Strophe entstammt dem englischen Sprachraum.
DieC. beruht auf einer Ballade aus dem 16. Jahrhundert, die eine Jagd (chase) schildert.
Die meisten englischen Volksballaden basieren darauf.
Im deutschen Sprachraum wurde sie später (18.Jhd.) als Stilmittel für kämpferische bzw. militärische Gesänge verwendet.
Die Chevy-Chase-Strophe besteht aus vier auftaktigen, abwechselnd vier- und dreihebigen, betont endenden Versen.
Hebung und Senkung können alternieren, es besteht aber Füllungsfreiheit, d.h. auf eine Hebung können auch zwei Senkungen folgen.
Im englischen Original reimen sich nur die zweite und vierte Zeile, in Deutschland überwiegt der Kreuzreim.


Daktylus
abgeleitet vom griechischem: "Daktylen" = Finger
Der Daktylus ist ein aus der Antike hergeleiteter Verfuß,

wobei seine damalige quantitierende metrische Funktion im Deutschen akzentuierend umgedeutet wurde.
Somit folgen einer betonten Silbe zwei unbetonte.


Notation: Xxx;

Beispiel:
Großvater; ankommen.


Distichon

Diese auf das antike Griechenland zurückgehende metrische Form, die vor allem für Epigramme und Elegien verwendet wurde, setzt sich aus 2 Versen zusammen. Der erste steht im Hexameter, der zweite im Pentameter.
Schiller schrieb als erklärendes Beispiel das folgende Distichon:

Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule,
Im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab.


Elegie


Enjambement
urspr. französisch
für Überschreiten, Zeilensprung, metrische Brechung

Das Ende eines Satzes fällt nicht mit dem Versende zusammen,
sondern wird zum nächsten Vers übergeführt.
Der Sinn- und Satzzusammenhang wir dabei erhalten.
Diese Stilrichtung löst sich damit von festgefahrenen Strukturen und ermöglicht ein flüssiges Gleiten, wobei durch die Anordnung kreative Möglichkeiten akzentuiert umgesetzt werden können.
Falls der Satz auch über das Ende der Strophe hinweggeführt wird,
spricht man von einem Strophenenjambement bzw. Strophensprung.


Epigramm

Synonym: Sinngedicht
Poetische Form, in der meist antithetisch eine geistreiche, überraschende oder zugespitzt formulierte Sinndeutung zum Gegenstand genommen wird.
Häufig als elegisches Distichon auftretend.
Epigramme fanden ursprünglich in der Antike als Grabaufschriften, Weihegeschenken oder Standbildern Verwendung.
Als Begründer gilt Simonides von Keos.


Figurengedicht

Gedicht, das durch entsprechende metrische Anlage im Schrift- oder Druckbild etwas umreisst, eine äußere Form bildet oder eine Gegenstand abbildet. Meist steht der umrissene Gegenstand in symbolischer Beziehung zum Gedicht.
Diese Anordnung sind bereits im Hellenismus nachweisbar. (Erosflügel, Ei, Beil)

Später wurden auch christliche Figuren genutzt (Kelch, Altar).

Beispiel:

Christian Morgenstern:
Die Trichter

Zwei Trichter wandeln durch die Nacht.
Durch ihres Rumpfes verengten Schacht
fließt weißes Mondlicht
still und heiter
auf ihren Waldweg
u.s.
w.


Haiku


Haiku
Das Haiku entstammt der japanischen Lyrik.
Es entwickelte sich ab dem 9.Jahrhundert aus dem fünfzeiligen Tanka
(5-7-5-7-7 Silben) und der Renga-Dichtung des 14. Jahrhunderts.
Ein Haiku erfordert eine hohe sprachliche Disziplin.
Die Form von drei Zeilen mit je 5 - 7 - 5 Silben ist häufig, aber nicht Bedingung.
Haiku haben weltweit zunehmend an Popularität gewonnen (Haikuwettbewerbe).


Hexameter


Hymne


Jambus

Bedeutung des Wortes griechischen Ursprungs: iaptein=schleudern.Ein Versfuß, der auf die Antike zurückgeht und im Deutschen akzentuierend verwendet wird.
Notation: xX;

Beispiele: Verband; bewusst.


Knittelvers


Limerick

Der Limerick wird zu den Nonsensversen zugerechnet,
da er sich durch komisch-groteske Inhalte auszeichnet.
Seit 1820 ist er zunächst als englische Gedichtform, wohl nach dem Kehrreim:
'Will you come to Limerick?' nachweisbar.

Er besteht aus fünf anapästischen Versen:
zwei Dreiheber, zwei Zweiheber, ein abschließender Dreiheber
nach dem Reimschema aabba.

Bekanntester Verfasser war E. Lear


Metapher


Metonymie


Metrum
lat.: Vers-, Silbenmaß

Das Metrum ist das abstrakte Schema der nach Anzahl und ggf. Qualität der Silben mehr oder minder fest geordneten Silbenabfolge eines Verses.

 

Notation:

Anapäst   xxX
Daktylus   Xxx
Jambus    xX
Trochäus  Xx

 


Ode
(von griechisch aeídin: singen), feierliches, oftmals weihevoll-erhabenes, dabei immer aber auch distanziert formstrenges lyrisches Gedicht. In einigen Ausprägungen ist es mit dem Hymnus verwandt. Ursprünglich waren Oden Gesänge des Chors im griechischen Drama mit strengem Strophenbau, die zu instrumentaler Begleitung vorgetragen wurden. Vom Lied in seiner heutigen Form unterscheidet sich die Ode durch ihr oftmals direkt angesprochenes Gegenüber (das implizierte „Du").
Vorformen der Ode sind die Psalmgesänge Davids.


Pentameter


Reim

Kreuzreim, Paarreim, identischer Reim, umfassender R., Doppelreim u.a. ergänzen


Rhythmus


Schüttelreim

Der Schüttelreim ist eine spielerische Reimform. Er gilt als Sonderform des Doppelreims.
Die Reimsilben verteilen sich auf zwei oder mehrere Wörter .
Die Anfangskonsonanten der am Reim beteiligten Wörter werden wechselseitig vertauscht.
Die neue Wortfolge beinhaltet meist eine komische Komponente (Die böse Tat den Schächer reut / Doch nur, weil er die Rächer scheut). Schüttelreime sind seit dem 13. Jahrhundert bekannt und erlebten im Barock ihre volle Blüte.
Abraham a Sancta Clara war diesbezüglich ein Meister der Sprachvirtuosität
.


Senryû

Die Anordung der Zeilen und Silben ist genauso wie beim Haiku,
jeweils drei Zeilen mit je 5 / 7 / 5 Silben pro Zeile.

Das Senryû entstand im 17. Jahrhundert, bedeutet übersetzt "Flussweide" und fordert im Gegensatz zum Haiku nicht unbedingt eine Naturbeschreibung.


Sonett
Eine aus Italien stammende Gedichtform (Klinggedicht). Die Form des Sonetts ist festgelegt und erfährt entsprechend der Weiterverbreitungen in europäischen Kulturen Abwandlungen im Reimschema.
Ein Sonett hat 14 Zeilen, welche sich in 2 Quartetten (4 Zeilen) folgend von 2 Terzetten (3 Zeilen) anordnen.

Es gibt vielfältige Sonettformen und Spielarten:

Die italienische Grundform bevorzugte das Reimschema:abab abab und abba abba in den Quartetten sowie cdc dcd und cde cde in den Terzetten. In Italien ist der gängige Vers der Endecasillabo, in Frankreich der Alexandriner.
In der englischen Dichtung wird auf die Durchreimung verzichtet und das Sonett in 3 Vierzeiler und ein abschliessendes Reimpaar gegliedert.
Der Begriff des deutsches Sonett bezieht sich auf eine Form, bei der auf die Durchreimung der Quartette verzichtet wird.Die Quartette stehen sich antithetisch gegenüber, die Terzette bringen letztlich die Aussagen des Gedichtes zu einer Synthese.Verbindungen mehrerer Sonette bilden einen Sonettenkranz.


Stanze (auch Oktave)
eigentlich =Wohnraum (im Sinne poetischer Gedanken)und urprünglich eine italienische Strophenform, die aus acht Elfsilblern mit dem reimschema ab ab ab cc besteht :
In Deutschland fand die Stanze ab dem 17.Jhd. Verwendung.


Strophe

 

 


Symbol


Synkope
stellt die Verkürzung eines drei- oder mehrsilbigen Wortes durch Ausstoßung eines kurzen Vokals einer Mittelsilbe dar;
gilt als erlaubt, wenn einer der beiden den Vokal umschließenden Konsonanten
-r- oder -l- ist.
Der Begriff hat sich für ähnliche Erscheinungen in der dt. Verskunst durchgesetzt.

Beispiel: ew'ger statt ewiger


Terzine

Die Terzine stammt aus Italien (Terzarima bzw.latein. tres: drei) und besteht im Unterschied
zu den meisten Strophenformen nicht aus vier, sondern aus drei Versen.
Die Verse sind über die Strophengrenze mit einem fortlaufenden Reim verkettet: innerhalb einer Strophe
reimen sich der erste und dritte Vers, während sich der zweite Vers erst mit dem ersten und dritten Vers
der nächsten Strophe reimt:
aba / bcb / cdc etc.
Der Schlussvers nimmt den mittleren Reim der vorangegangenen Strophe wieder auf.(cdcd)
Dante verwendete erstmalig die Terzine in seiner Divina Commedia.
In der deutschen Poesie griffen Hofmannsthal und George sie auf.


Trochäus
griechisch: trochaíos - laufend, schnell; das Antonym (Gegenwort) dazu entspräche dem Jambus.
Versfuß in der Antike folgender Notation: xX


Versmaß
siehe Metrum


Zäsur

Der Begriff entstammt dem lateinischen und bedeutet Einschnitt; er wird ebenso in der Musik, Geschichtsforschung
u.a. verwendet.
Es wird entweder ein Metrum auf 2 Worte verteilt oder eine ganze Verszeile in sog. Kola aufgesplittert und dient einem Sinneinschnitt, indem u.a. der Lesefluss eine kleine Pause erfährt.

Beispiel: "Fallen verzeih' ich dir gern / nur strebe immer nach oben!" (Goethe)