Werner Schmitt (Wersch)
 
* 14.4.1964, Pirmasens


Seit 1979 literarisch tätig: zahlreiche Lesungen und Publikationen von Gedichten sowie Erzählungen in Zeitschriften und Anthologien
Studium der Germanistik und Philosophie in Trier, wo er seit 1984 lebt
1992 Pegasus-Literaturpreis in Andernach
1994 Veröffentlichung eines Erzählbandes 'Der Denkgänger'
seit 1999 mit der
Literaturnische im Internet - die darin eingebetteten Trakl-Seiten
stellen das umfassendste im Web zu diesem Dichter dar
seit 2002 'liebe ich ihn nicht nur schlicht und ergreifend', sondern so wie er ist,
wese weiter in ewiger Dankbarkeit für die tiefste innigste Liebe meines Lebens.

seit 2006 mit
Gedichte für alle Fälle und Lyrik-Lesezeichen im Web

Texte sind in der Wortvision - einer Synthese von Versen und Bildern -
bzw. als Hörtexte vorhanden.


 
 
Dorffriedhof mit Gelächter und Radio...
Gäste in Dwasieden Farne, Brombeeren...
- Ich bin ein Traum...
- Irisbogen, unantastbar am Horizont
Jasmund stillt unterm Buchenbaldachin...
Schattenbindung auf weißem Strand...
Sentimentalität das letzte Mal hab ich geweint...
- sitzt auf lächelndem Stier...
wie wir wandeln die rund gespülten Steine...
   

Dorffriedhof                                                    
                                                                                  als Hörtext abrufbar

mit Gelächter und Radio
mähen junge Leute
eine Wiese frei
für Fallobst

abseits
die geneigte Schale
im blassroten Mauerrand
drängeln Steinmale
glänzend geschliffen

nach ihrer Lücke
stockgestützt sucht
die alte Frau
hinter ihren Lippen
spazieren eingravierte
Namen noch einmal

[1996/1999]

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Gäste in Dwasieden                                                       als Hörtext abrufbar

Farne, Brombeeren und Königskerzen,
von gesprengten Schlössern träumend,
ziehen einen grünen Vorhang
über vergebliche Verheerung

unter hellen Blößen im Kronendach der Buchen
gibt's kein Dach im Felde der Ruinen:
halb entsorgte, halb begrabene Betonskelette,
worin die Mordgeräte und Gefreiten lauerten

Ameisen marschieren nun auf Asphaltstraßen
von der verdufteten Armee ist hinterblieben
nichtmal das Nationale und das Volk
bald schon gleichen Erdbunker den Hünengräbern

Rostzäune und „Privatgelände“ sperren weiter aus
sei Urian, weide dich an Verfall
und Wildwuchs; lass die Hagebutten röten
in der blühendsten aller Landschaften

[2004]

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Ich bin ein Traum                                                       als Hörtext abrufbar
und kann nur sein aus dir.

Wie du erlebst
dein Grauen und die Wollust
in meinen Bildern,
bin ich lebendig,
wenn du mein Scheinen ansiehst
in Schlaf und Tag.

Denn sonst erlösche ich
in Morgens Bö.

[1985/1988]

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Irisbogen
untastbar am Horizont
feuchter transparenter Steg
Schlangenwechselbalg
von Sol und Donnerwolken
ergleißt durch luftige Haut
gelehnt an den Bauch
der Erde

Vision
verfolgt vorm
Erlöschen

[1993/2003]

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Jasmund stillt                                                          als Hörtext abrufbar

unterm Buchenbaldachin verstummt der Wind
streichle einen Hund und Rehe schauen zu
alle Wanderer verlaufen sich in Klippengründen
Verdämmern rieselt durch den grünen Pelz

wie eine Schneeeule brütet Dunst auf der See
dazwischen leuchtet Kreide, wolkenschwer und bergeleicht
am Hünengrab verkriecht sich eine Natter
und langsam sinken Wurzeln in den Hang
den nimmersatt die Schaumzungen benaschen

einen Speicher voll Bildern will ich ernten und
Träume an einen schlanken Stamm binden
bis sie fremde Mauern verzehren
singen sie Ja und halten zum Küssen still

[2004]

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Schattenbindung                                        als Hörtext abrufbar 

auf weißem Strand
übersät von Muschelschalen und Steinen
bilden wir uns ab
Hände reichen sich bloß
unsere Schatten
Busch der Gelegenheit
ist ein angespültes Astskelett
unter milchblauem Himmel
vor der eisblauen See
zwischen dimmernden Horizonten
und ganz allein

[2002]

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Sentimentalität                                        als Hörtext abrufbar 

das letzte Mal hab ich geweint
als der Säbelzahntiger ausstarb
dieses herrliche geschmeidige grausame
lusthungrige Tier
dessen Fauchen Sturm war
und vorher glaub ich einmal
als alle Saurier verreckten
wegen der Eiszeit
oder wegen eines Sternabsturzes
denn es waren unersetzliche Bestien
und nun weine ich fast
weil du sagst
dass du mich brauchst
ich aber leider
nicht mehr zu
gebrauchen bin

[1982]

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sitzt auf lächelndem Stier                             als Hörtext abrufbar
dem Buckel der Welt
raunt freundlich in seinen Bart
was nicht mehr sein kann
sei noch am wesen
was nicht mehr wese
sei das wesen -
lässt sich tragen
ins uralte Vergessen
ruhend im sanften Traben
lässt sich gleiten
ins entvölkerte Exil
ist kräftig leer
von beredter Stille
und wird weiter gebraucht


Laudzi

[1999/2003]

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wie wir wandeln                                         

die rund gespülten Steine
auf dem schmalen Weg
zwischen Felsen und Meer
her und hin geworfen

sogar weich scheinen sie
im verschmolzenen Schatten
und rundum weiter als er
reicht unser leuchtender Blick

[2004]

   
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