Karl Friedrich Kretschmann
 
1738 - 1809
 
An die Kunstrichter
Ein Lob, das alle Fehler uns verschweigt...

 
   

An die Kunstrichter

Ein Lob, das alle Fehler uns verschweigt,
Ist wie der fette Frühlingsregen,
Der allzustark die Felder säugt;
Er tödtet sie durch Segen.
Die Tadel, die, an Galle reich,
nur zu beschämen suchten,
sind schloßenvollen Wettern gleich;
Sie stürmen Saaten ein, anstatt sie zu befruchten.
Ein Lob, zu rein für Schmeicheley,
Erweckt uns, wie die Flur der May;
Und Wahrheit ohn' Erbittern;
Ruft unsre Kraft empor, gleich fruchtenden Gewittern.


[1775]

Killy, Walther: Deutsche Lyrik von den Anfängen bis zur Gegenwart, München: Deutscher Taschenbuchverlag GmbH &Co. 2001
Quelle


   
     
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