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TAO TE KING / Laotse

Kap. 20

Gib das Lernen auf, und deine Sorgen haben ein Ende.
Besteht denn ein Unterschied zwischen Ja und Nein?
Wie weit voneinander entfernt ist denn das Gute und das Böse?
Soll ich mich fürchten, nur weil andere sich fürchten?
Das wäre doch Unsinn? O Einsamkeit, du scheinst ohne Ende!
Andere Menschen sind vergnügt,
als ob sie festlich einen Ochsen braten
oder im Frühling in den Park gehen
und auf schönen Terrassen bummeln.
Ich aber treibe dahin, allein, ohne zu wissen, wer ich bin,
wie ein neugeborenes Kind bevor es das erste Lachen lernt.
Ich bin allein und habe keinen Platz, wohin ich gehen könnte.
Die Menschen haben mehr als sie brauchen,
ich allein scheine nichts zu besitzen.
Mein Sinn ist der eines Narren - leer.
Die anderen sind lustig und froh,
ich allein bin trübe und kraftlos.
Die anderen sind scharfsinnig und klug,
ich allein bin langweilig und dumm.
Ich treibe dahin wie die Wellen des Meeres, ohne Richtung,
wie der Wind, der nie nachläßt.
Die anderen haben alle ein Ziel,
ich allein bin unwissend und ziellos.
ich bin anders als die anderen,
aber die große Mutter hegt und pflegt mich.

In einer Neuübertragung von Hans J. Knospe


Quelle

 
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