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TAO TE KING / Laotse

Kap. 2

Unter diesem Himmel können alle Menschen
das Schöne als schön erkennen,
denn es gibt ja auch das Häßliche.
Ebenso können die Menschen das Gute als gut erkennen, denn es gibt ja das Böse.
Sein und Nichtsein erzeugen einander,
Schweres und Leichtes ergänzen sich,
Lang und Kurz messen einander,
Hoch und Tief gehören einander,
Stimme und Klang gestalten einander,
Vorher und Nachher bedingen einander.
        Deshalb bleibt der wirklich Weise
bei allem, was er tut, beim Nicht-Tun
und lehrt nicht durch Worte.
So bilden sich die zehntausend Wesen
und fühlen sich doch nicht abgewiesen.
Er schenkt Leben, aber er erhebt keinen Anspruch.
Er bringt sein Werk zu Ende,
aber er bleibt darauf nicht sitzen.
Und weil er sich so verhält,
kann es ihm nicht genommen werden.

In einer Neuübertragung von Hans J. Knospe


Quelle

 
Kapitel 2
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