Heinrich Hoffmann von Fallersleben
 
2.4.1798, Fallersleben - 19.1.1874, Schloss Corvey
 
Alle Vögel sind schon da Alle Vögel sind schon da...
Besserwerden Wir haben schöne Institute...
Bundeszeichen Frei und unerschütterlich...
Das Osterei Hei, juchhei! Komm herbei...
Das Deutschlandlied Deutschland, Deutschland über alles...
Der Reiher Wenn spazieren geht der Reiher...
Häutiges Ihr habt gehoffet und vertraut...
Papa's Geburtstag Wie schön...
Sehnsucht nach dem Frühling O wie ist es kalt geworden...
Von Gottes Gnaden Sie haben sich von Gottes Gnaden...
Weihnachten Zwar ist das Jahr an Festen reich...
Weihnachtslied Morgen kommt der Weihnachtsmann...
Zur Osterfeier Zur Osterfeier da freuen wir uns sehr...
   

 


 


Alle Vögel sind schon da

Alle Vögel sind schon da,
Alle Vögel, alle!
Welch ein Singen, Musiziern,
Pfeifen, Zwitschern, Tierilier'n!
Frühling will nun einmarschier'n,
Kommt mit Sang und Schalle.

Wie sie alle lustig sind,
Flink und froh sich regen!
Amsel, Drossel, Fink und Star
Und die ganze Vogelschar
Wünschet dir ein frohes Jahr,
Lauter Heil und Segen!

Was sie uns verkündet nun
Nehmen wir zu Herzen:
Wir auch wollen lustig sein,
Lustig wie die Vögelein,
Hier und dort, Feld aus, Feld ein,
Singen springen, scherzen!

..................................................................................................................................

Besserwerden

Wir haben schöne Institute
Für jedes Alter, jeden Stand;
Wir haben Fessel, Peitsch' und Ruthe,
Wir haben Kett' und Ordensband.

Das Laster findet seine Wohnung
Zu jeder Zeit, an jedem Ort,
Und für die Tugend sprießt Belohnung
Aus Gut und Geld, aus Schrift und Wort.

Ein Schul- und Zuchthaus ward das Leben
Voll Religion und Unterricht;
Auf's Bessre geht des Staates Streben,
Doch bessert er sich selber nicht.


Quelle

..................................................................................................................................

Bundeszeichen

Melodie: Brüder, laßt uns lustig sein

Frei und unerschütterlich
Wachsen uns're Eichen,
Mit dem Schmuck der grünen Blätter
Stehn sie fest in Sturm und Wetter,
Wanken nicht noch weichen.

Wie die Eichen himmelan
Trotz den Stürmen streben,
Wollen wir auch ihnen gleichen,
Frei und fest wie deutsche Eichen
Unser Haupt erheben.

Darum sei der Eichenbaum
Unser Bundeszeichen:
Daß in Thaten und Gedanken
Wir nicht schwanken oder wanken,
Niemals muthlos weichen.


[1859]

..................................................................................................................................

Das Osterei

Hei, juchhei! Kommt herbei!
Suchen wir das Osterei!
Immerfort, hier und dort
Und an jedem Ort!
Ist es noch so gut versteckt,
Endlich wird es doch entdeckt.
Hier ein Ei! dort ein Ei!
Bald sind's zwei und drei.
Wer nicht blind, der gewinnt
Einen schönen Fund geschwind.
Eier blau, roth und grau
Kommen bald zur Schau.
Und ich sag's, es bleibt dabei,
Gern such' ich ein Osterei:
Zu gering ist kein Ding,
Selbst kein Pfifferling.

..................................................................................................................................

Das Deutschlandlied

Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält!
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt:
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt!


Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang:
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang!


Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach laßt uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand;
Blüh' im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland.

..................................................................................................................................

Der Reiher

Wenn spazieren geht der Reiher,
Denkt er über Manches nach:
Ob sich's besser fischt am Weiher
Oder besser noch am Bach.

Endlich hat er sich entschlossen,
Geht zum Weiher hin und fischt,
Und da weilt er unverdrossen,
Bis er einen Fisch erwischt.

Warten, das versteht er prächtig,
Langeweile kennt er nicht;
Was er thut, er thut's bedächtig,
Und Geduld ist seine Pflicht. -

Willst du irgendwas erringen,
Lern vom Reiher mancherlei,
Und Geduld vor allen Dingen
Bestens dir empfohlen sei.


Quelle

..................................................................................................................................

Häutiges

Ihr habt gehoffet und vertraut:
Im Wechsel sprießt ein Heil empor!
Ihr habt den Wechsel nun geschaut,
Sagt an, was sproß daraus hervor?

Personen wechseln Jahr für Jahr,
Wie ihr's in jedem Staate seht;
Er selber bleibt unwandelbar,
So lange sein Prinzip besteht.

Wer auf das Drum und Dran nur baut,
Der ist fürwahr ein rechter Thor:
Die Schlange wechselt ihre Haut
Und bleibet Schlange nach wie vor.


Quelle

..................................................................................................................................

 

[Aus Kinderlieder]

Papa's Geburtstag

1.

Wie schön, daß in des Herbstes Tagen
Noch Blumen blüh'n in Pracht und Glanz,
Als wollten sie uns Kindern sagen:
»Wir blühen nur für euch zum Kranz.

Ihr sollt zum Kranz uns heute reihen,
So schön, wie sich es machen läßt,
Und dem Papa als Glückwunsch weihen,
Denn heut ist sein Geburtstagsfest.«

Es ist erfüllt der Blumen Bitte,
Nimm unsern Glückwunsch freundlich an:
O bleib' bei uns in unsrer Mitte
Und freue dich mit uns fortan!

Wir wollen dir auf allen Wegen
Auch liebe gute Kinder sein;
Wir flehen Gott um Seinen Segen,
Und was wir fleh'n, wird Er verleih'n.

2.

Ist kein schönerer Tag doch
In der Welt so wie heut!
Und es hat unser Herze
Sich noch nie so gefreut.

Ja, wir freuen uns Alle
Heissa heissassa sa!
Denn es ist dein Geburtstag,
Lieber, guter Papa!

Und wir wanden dir Kränze,
Und wir flochten hinein
Unsre innigsten Wünsche
Für dein Wohl und Gedeih'n.

Sei so froh wie die Blumen,
Wie die Blätter so grün!
Mag für uns, deine Lieben,
Stets dein Leben so blüh'n!

fröhlich sein,
Heute guter Dinge,
Und auch du, mein Döckelein,
Komm' und tanz' und springe!

3.

Ist der heil'ge Christ ins Haus
Heut schon eingekehret?
Hat der heil'ge Nikolaus
Uns was einbescheeret?

Nein, so hört es denn von mir,
Hört es, lieben Leute!
Den Geburtstag feiern wir
Unsers Papa's heute.

Darum will ich fröhlich sein,
Heißa! guter Dinge,
Und auch du, mein Döckelein,
Komm' und tanz' und springe!

..................................................................................................................................

Sehnsucht nach dem Frühling

O wie ist es kalt geworden
Und so traurig, öd' und leer!
Rauhe Winde weh'n von Norden
Und die Sonne scheint nicht mehr.

Auf die Berge möcht' ich fliegen,
Möchte seh'n ein grünes Thal,
Möcht' in Gras und Blumen liegen
Und mich freu'n am Sonnenstrahl;

Möchte hören die Schalmeien
Und der Heerden Glockenklang,
Möchte freuen mich im Freien
An der Vögel süßem Sang.

Schöner Frühling, komm doch wieder,
Lieber Frühling, komm doch bald,
Bring' uns Blumen, Laub und Lieder,
Schmücke wieder Feld und Wald!

Ja, du bist uns treu geblieben,
Kommst nun bald in Pracht und Glanz,
Bringst nun bald all deinen Lieben
Sang und Freude, Spiel und Tanz.

..................................................................................................................................

Von Gottes Gnaden

Sie haben sich von Gottes Gnaden
zu Herren dieser Welt gemacht-
das könnt uns weiter gar nicht schaden,
wär's wahr, was sie sich ausgedacht.

Denn wären sie die Gottesholden,
so sorgte Gott für sie allein,
gar herrlich würd er sie besolden,
uns aber würde wohler sein.

Wir würden dann die Erde haben,
den Himmel aber hätten sie;
wir können uns hienieden laben,
doch an dem Himmelreiche nie.


Quelle

..................................................................................................................................

Weihnachten

Zwar ist das Jahr an Festen reich,
Doch ist kein Fest dem Feste gleich,
Worauf wir Kinder Jahr aus Jahr ein
Stets harren in süßer Lust und Pein.

O schöne, herrliche Weihnachtszeit,
Was bringst du Lust und Fröhlichkeit!
Wenn der heilige Christ in jedem Haus
Theilt seine lieben Gaben aus.

Und ist das Häuschen noch so klein,
So kommt der heilige Christ hinein,
Und Alle sind ihm lieb wie die Seinen,
Die Armen und Reichen, die Großen und Kleinen.

Der heilige Christ an Alle denkt,
Ein Jedes wird von ihm beschenkt.
Drum laßt uns freu'n und dankbar sein!
Er denkt auch unser, mein und dein.

..................................................................................................................................

Weihnachtslied

Morgen kommt der Weihnachtsmann,
Kommt mit seinen Gaben,
Trommel, Pfeifen und Gewehr,
Fahn' und Säbel, und noch mehr,
Ja, ein ganzes Kriegesheer
Möcht' ich gerne haben.

Bring' uns lieber Weihnachtsmann,
Bring' auch morgen, bringe
Musketier und Grenadier,
Zottelbär und Pantherthier,
Roß und Esel, Schaf und Stier,
Lauter schöne Dinge!

Doch du weißt ja unsern Wunsch,
Kennst ja uns're Herzen.
Kinder, Vater und Mama,
Auch sogar der Großpapa,
Alle, alle sind wir da,
Warten dein mit Schmerzen.

..................................................................................................................................

Zur Osterfeier

Zur Osterfeier
da freun wir uns sehr,
da suchen wir Eier
die Kreuz und Quer.
Husch husch
im Dornenbusch
flugs flugs
im grünen Buchs.
Husch husch husch husch!
Flugs! flugs! flugs! flugs!

 

 
nach oben