Cäsar Flaischlen (Ps. C.F. Stuart)
 
12.5.1864, Stuttgart - 16.10.1920, Gundelsheim
 
Ermüdung Laß nicht die Arme sinken...
Kopf hoch! Weil dir ein goldener Traum...
Rügen Tief und still...

 

 

 

 

 

Ermüdung


Laß nicht die Arme sinken,
so groß das Gezerr,
du hast es noch immer gezwungen
und wirst auch diesmal Herr!

Wenn's andere leichter sich machen,
du bist nicht sie,
und Helfer zu deinen Zielen…
hattest du nie!

Du hast noch immer fast alles
bezahlt weit über Kauf;
laß es dich nicht verdrießen,
sei stolz darauf.

Und was du selbst gegeben,
war immer wohl mehr,
als, auf der Waage gewogen,
nötig gewesen wär.

Doch ohne Opfer und Einsatz
von Herz oder Hand
kommt auf der Welt überhaupt
kein Wert zustand!

Es gibt eben zweierlei Menschen
und zweierlei Maß:
Ein Baum will Früchte tragen
und Gras bleibt Gras!

Laß nicht die Arme sinken,
so groß das Gezerr,
du hast es noch immer gezwungen
und wirst auch diesmal Herr!


Quelle

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Kopf hoch!

Weil dir ein goldener Traum zerronnen,
was hast du drum für herbe Qual?!
es ist doch nicht das erste Mal,
daß dich enttäuscht, was du begonnen!

Den Kopf hoch! auf! wozu verzagen
kleingläubig gleich und hoffnungslos?!
dein Mut schien doch so riesengroß,
das Letzte selber kühn zu wagen!

Auf drum und weiter! ohne Bangen!
und wenn's dir noch soviel entlaubt!
Wer will und an sein Können glaubt,
wird immer an sein Ziel gelangen!


Flaischlen, Cäsar, Gesammelte Dichtungen, Bd. 1: Von Alltag und Sonne. Gedichte in Prosa, Stuttgart (Deutsche Verlagsanstalt) 1921
Quelle

Eine weitere Version:

Versuch's nur weiter!

Weil dir ein goldener Traum zerronnen,
was hast du drum für herbe Qual?!
Es ist doch nicht das erstemal,
daß dich enttäuscht, was du begonnen!

Den Kopf hoch! Auf! Wozu verzagen
kleingläubig gleich und hoffnungslos?!
Dein Mut schien doch so riesengroß,
das Letzte selber kühn zu wagen!

Versuch's nur weiter! Ohne Bangen!
Und senke schweigend nicht das Haupt!
Wer will und an sein Können glaubt,
wird immer an sein Ziel gelangen.


Quelle

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Rügen

Tief und still
in grauem Regen
liegen Wald und
liegen Wiesen ...
tief und still
mit müden, schweren
Wellen
schleppt das Meer zum Strand ...
graue Möwen
flügelschlagend
schreien um die Kreidefelsen,
und im weißen
Dunst der Ferne
zieht in breitgeballter Wolke
dicken Qualmes,
wie der schwarze
Schwan des Todes,
horizontentlang ein Dampfer,
tief und still
in grauem Regen.

Flaischlen, Cäsar, Gesammelte Dichtungen, Bd. 1: Von Alltag und Sonne. Gedichte in Prosa, Stuttgart (Deutsche Verlagsanstalt) 1921
Quelle

 

   
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