Amselsang
Fliehende Kühle von jungen Syringen,
Dämmernde Grotten cyanenblau,
Wasser in klingenden Bogen,
Wogen,
Auf phosphornen Schwingen,
Sehnende Wogen.
Purpurne Inseln in schlummernden Fernen.
Silberne Zweige auf mondgrüner Au.
Goldene Lianen auf zu den Sternen,
Von zitternden Welten
Sinkt Feuertau.
[1894]
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Das erste Heu liegt schon im Wiesenland
Einförmig sind des Frühlings letzte Nächte.
Die Heckenrose blinkt im Dunkel wie aus Porzellan
Und sieht dich aus den Dornen lockend an,
Als ob sie gerne deine Hand zum Pflücken brächte.
Das erste Heu liegt schon im Wiesenland,
Der Viertelmond lehnt wie die Sense an der Himmelswand,
Als ob er Arbeit in der Nacht noch fand
Und blank und stark die Felder niedermacht
Und alles, was die Frühlingsleidenschaft erdacht.

Quelle
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Des hab' ich mich noch nie
Des hab ich mich noch nie bedankt,
Daß deine Hände nach mir langen
Und deine Lippen mich empfangen,
Daß in den Hügeln deiner Brüste
Ich mir fürs Leben Sehnsucht küßte,
Und gern mein Herz nach deinem krankt.
Des sei die Stund, die dich vollbracht,
Die dich zur Liebeslust erdacht,
Von jeder neuen Stund bedankt.
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Die Amseln haben Sonne getrunken
Die Amseln haben Sonne getrunken,
Aus allen Gärten strahlen die Lieder,
In allen Herzen nisten die Amseln,
Und alle Herzen werden zu Gärten
Und blühen wieder.
Nun wachsen der Erde die großen Flügel
Und allen Träumen neues Gefieder,
Alle Menschen werden wie Vögel
Und bauen Nester im Blauen.
Nun sprechen die Bäume in grünem Gedränge
Und rauschen Gesänge zur hohen Sonne,
In allen Seelen badet die Sonne,
Alle Wasser stehen in Flammen,
Frühling bringt Wasser und Feuer
Liebend zusammen.

Quelle
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Ein altes Herbstblatt...
Ein altes Herbstblatt fliegt im Acker auf,
Es raschelt laut, als ob es Leben hat,
Als will es wieder zu dem Baum hinauf.
Hell gleißt ein Schmetterling her übern Fluß,
Ist wie ein auferstandener Frühlingsgeist,
Der Blumenseelen schnell beschwören muß.
Bei meinem Fuß geht scheu mein Schatten mit,
Der ist mir wie die Sehnsucht treu;
Sie und mein Herz, die halten ewig Schritt.

Quelle
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Gesänge der Düfte
Geruch der Walderde
Unter schwarzen röchelnden Algen,
Scharfen Harzen, rothen Blättern
Stumm eine qualmende Quelle.
In lallender Welle sengender Wein.
Nelken, entzündet, scharlachwild,
Müdes Glimmen schwüler Amethysten.
Kühler Narzissen weiße Stimmen
Singen und Lachen im Welken.
Nächte fliehen auf eisigen Schwingen,
Heiß schleichen der Wein und die Nelken.
Morgenduft
Schwergebogen nasse Zweige,
Trübe Aprikosenblüten.
Unter tiefem Himmel schleichen
Feuchte Wege.
Aschenweiche Buchenwälder.
Kahle perlenmatte Fjorde.
Kaltes Schilf. Auf nacktem Grunde
Spielen scheue Rosenmuscheln.
Rosen
Weinrot brennen Gewitterwinde
Purpurblau der Seerand,
Hyazinthemtief die ferne Küste.
Ein Regenbogen, veilchenschwül,
Schmilzt durch weihrauchblaue Abendwolken.
Im Thaudunkel lacht
Eine heiße Nachtigall.
Regenduft
Schreie. Ein Pfau.
Gelb schwankt das Rohr.
Glimmerndes Schweigen von faulem Holz.
Flüstergrün der Mimosen.
Schlummerndes Gold nackter Rosen
Auf braunem Moor.
Rauschende Dämmerung in weißen Muscheln.
Granit blinkt eisengrau.
Matt im Silberflug Kranichheere
Über die Schaumsaat stahlkühler Meere.
Jasmin
Wachsbleich die Sommernacht.
Auf erdunkeln Moderlachen
Singen rosigblaue Irislichter.
Wetterleuchten, schwefelgrün, in Splittern.
Eine weiße dünne Schlange sticht
Züngelnd nach dem blauen Mond.

Quelle
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In der Fremde
Möchte heute ohne Ende
Schluchzen in die beiden Hände.
Bin so müde von den Leiden,
Möchte mich in Frohheit kleiden.
Doch das Warten dieses Weh,
Liegt mir in dem Blut wie Schnee.
Warte nur viel Mondenlängen,
Horche nach den Friedensklängen.
Aber neue Schlachten wüten,
Blut fällt auf des Sommers Blüten,
Elend flieht sich neue Ruten.
Ach, die Welt, will sie verbluten?
[1936]

Quelle
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Mein Herz als Mond verkleidet
Rühr' im Schlaf an deine Wangen,
Hangen Tropfen an den Kissen,
Du und ich allein nur wissen:
Unser Sehnen hat vereint
Heiß sich in den Schlaf geweint.
Ach, mein Herz wie's liebt und leidet!
Spür es leis als Mond verkleidet
Weiß an deiner Tür.
Sehnsucht muß mit hellen Händen
Noch im Schlaf dein Zimmer blenden,
Und die blanken Scheiben schicken
Blicke, die tags dunkel bleiben;
Wo sie ungesehen fielen,
Steigen Lichter aus den Dielen.
Schweigen müssen Uhr und Zeit,
Sehnsucht spielt auf blauen Geigen,
Und wie einst auf Märzenauen
Werden Balken in den Räumen
Wieder kühn zu Knospenbäumen.
Und auch taut im Mond wie Eis
Lautlos deines Spiegels Glas,
Will mir Heimlichkeiten zeigen,
Die der Spiegel nie vergaß,
Er, der zärtliche Vertraute,
Der nur lebt von deinen Augen
Und in deine Sehnsucht schaute.
Dicht an deinen weißen Wangen
Will ich deinen Atem fangen.
Was die Scham mir nicht gestand,
Küß ich aus dem Schlaf der kleinen, zagen, zahmen Hand.
Rötet Morgen sich im Land,
Auf dem roten Dach der Welt
Tötet sich der Mond gelassen;
Und wer ahnt in lauten Gassen,
Daß, wo Sehnsucht hingestellt,
Sich noch nachts das Pflaster hellt,
Und mein Herz, als Mond verkleidet,
Nächtlich blinde Wünsche weidet.

Quelle
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Nie war die eine Liebesnacht in deinem Schoß der andern gleich
Nie war die eine Liebesnacht
In deinem Schoß der andern gleich,
Dein Leib ist ein Septembermond
An immer neuen Früchten reich.
Die Brüste sind ein Traubenpaar,
Und drinnen pocht der junge Wein,
Die Augen sind ein Himmelstor
Und lassen meine Wünsche ein.
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