Simon Dach
 
29.7.1605, Memel - 15.4.1659, Königsberg
 
Lied der Freundschaft Der Mensch hat nichts so eigen...
Letzte Rede... Jch armer Madensack...

 
   

Lied der Freundschaft

Der Mensch hat nichts so eigen,
so wohl steht ihm nichts an,
als daß er Treu erzeigen
und Freundschaft halten kann;
Wann er mit seinesgleichen
Soll treten in ein Band,
Verspricht sich nicht zu weichen,
Mit Herzen, Mund und Hand.

Die Red' ist uns gegeben,
Damit wir nicht allein
Für uns nur sollen leben
Und fern von Leuten sein;
Wir sollen uns befragen
Und sehn auf guten Rat,
Das Leid einander klagen,
So uns betreten hat.

Was kann die Freude machen,
Die Einsamkeit verhehlt?
Das gibt ein doppelt Lachen,
Was Freunden wird erzählt.
Der kann sein Leid vergessen,
Der es von Herzen sagt;
Der muß sich selbst zerfressen,
Der in geheim sich nagt.

Gott stehet mir vor allen,
Die meine Seele liebt;
Dann soll mir auch gefallen,
Der mir sehr herzlich gibt;
Mit diesen Bundsgesellen
Verlach' ich Pein und Not,
Geh' auf dem Grund der Höllen
Und breche durch den Tod.

Ich hab', ich habe Herzen
So treue, wie gebührt,
Die Heuchelei und Scherzen
Nie wissentlich berührt;
Ich bin auch ihnen wieder
Von grund der Seelen hold,
Ich lieb' euch mehr, ihr Brüder,
Als aller Erden Gold.

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Letzte Rede
Einer vormals stoltzen vnd gleich jetzt sterbenden Jungfrawen

Jch armer Madensack! der ich vor wenig Wochen
Belebt / gerad vnd schön gleich einem Hirsche gieng /
Vnd hoch geehret ward / vnd manchen Gruß empfieng /
Lieg hie nun hergestreckt vnd bin nur Haut vnd Knochen;
Die Glieder sterben mir / die Augen sind gebrochen.
War dieses / daß ich mich mit Golde so behieng?
Jhr Freünde / haltet Mund vnd Nase zu / ich stinck.
Ach Gott! so wird mein Pracht vnd Vbermuth gerochen!
Jhr Jung- vnd Frawen kompt / kompt spiegelt euch in mir!
Lernt hie / was Hochmuth sey / was Stand / Gestalt vnd Zier!
Jhr seht / ich muß davon / mein Leben wil sich schliessen.
Lebt alle wol / vnd habt eüch stets in guter acht!
Gedenckt wie mich der Todt so scheüßlich hat gemacht!
Jch tanze nur voran / jhr werdet folgen müssen.

[1641]

Killy, Walther: Deutsche Lyrik von den Anfängen bis zur Gegenwart, München: Deutscher Taschenbuchverlag GmbH &Co. 2001
Quelle

 

   
     
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