Hugo Ball
 
   22.2.1886, Pirmasens - 14.9.1927, Gentilino bei Lugano
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Abschied Sag mir, daß du dich im Föhnwind...
Bagatelle Vor meinem Fenster...
Frühling So hast du in Behutsamkeit...

 

 

 

 

 

 

 

     

Abschied

Sag mir, daß du dich im Föhnwind sehnst
Und daß du trauern würdest,
Wenn ich ginge.
Sag mir, daß diese Tage schön sind
Und daß du weinen wirst,
Wenn ich nicht singe.


Sag mir, daß du dem Leben gut bist.
Sag meiner Stimme,
Daß sie nie verwehe...
Und daß du heiter und voll frohen Mut bist,
Auch wenn ich lange Zeit
dich nicht mehr sehe.


Sag mir, daß ich ein töricht Kind bin,
Und streichle mich, wie eine junge Meise.
Sag mir, daß ich zu dir zurückfind,
Auch wenn die Nächte dunkel sind,
Durch die ich reise.

H. Ball: Gesammelte Gedichte. Zürich: Arche Verlag 1963
Quelle

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Bagatelle

Vor meinem Fenster,
Im Sonnenschein
Sitzen Engelein.
Eins, zwei, drei Engelein
Und äugeln herein.
Sie hauchen an die Scheiben
Und kichern sich an,
Und schreiben
Deinen Namen hin.
Und kichern sich an
Und verwischen ihn.
Und blinzeln gar boshaft
Und neckisch herein,
Und flattern fort
Die drei Engelein.

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Frühling

So hast du in Behutsamkeit
Mit Lauben und mit Ranken
Den Garten meiner Nacht umsäumt
Jetzt lächeln die Gedanken.

Nun singen mir im Gitterwerk
Die süßen Nachtigallen
Und wo ich immer lauschen mag
Will mir ein Lied einfallen.

Die Sonne strahlt in deinem Blick
Und geht in meinem unter.
So schenkst du mir den schönen Tag
Ein mildes Sternenwunder.

So hast du meinen dunklen Traum
Durchleuchtet aller Enden
Und wo ich immer schreiten mag,
Begegne ich deinen Händen.

 

   
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