Abraham a Santa Clara
(Ulrich Megerle)
      2.o.1.Juli 1644, Kreenheinstetten - 1.12.1709, Wien
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- Beim Bauen...
Das ist ein Leben Will ich sauer, so will er süß...
Die schlimmen Eheleut Nicht also kürren
Mit Essen und Trinken Mit essen und trinken...
Nachtmusikanten Hier sind wir arme Narrn...

 

 

 

 

 

 

 

     


Beim Bauen
muss man schauen
sich nicht zu verhauen,
sonst kommt man in des Elends Klauen.

Unbekannt
Quelle

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Das ist ein Leben

Will er sauer, so will ich süß,
Will er Mehl, so will ich Grieß,
Schreit er hu, so schrei ich ha,
Ist er dort, so bin ich da,
Will er essen, so will ich fasten,
Will er gehn, so will ich rasten,
Will er recht, so will ich link,
Sagt er Spatz, so sag ich Fink,
Ißt er Suppen, so eß ich Brocken,
Will er Strümpf, so will ich Socken,
Sagt er ja, so sag ich nein,
Sauft er Bier, so trink ich Wein,
Will er dies, so will ich das,
Singt er Alt, so sing ich den Baß,
Seht er auf, so sitz ich nieder,
Schlägt er mich, so kratz ich wieder,
Will er hü, so will ich hott:
Dies ist ein Leben, erbarm es Gott!

Unbekannt
Quelle

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Die schlimmen Eheleut

Nicht also kürren und schorren die Ratzen,
nicht also schreien und gmauzen die Katzen,
nicht also pfeifen und zischen die Schlangen,
nicht also rauschen und prasseln die Flammen,
nicht also scheppern und kleppern die Rötschen,
nicht also plurren und schnurren die Prötschen,
nicht also wüten und heulen die Hund,
nicht also brüllet der Löwen ihr Schlund,
nicht also hauset und brauset das Meer,
nicht also stürmet ein kriegrisches Heer,
Nicht also reißet und tobet der Wind,
nicht also jammert ein schreiendes Kind:
wie zwei wankende, zankende, reißende, beißende,
weinende, greinende, mockende, bockende,
trutzige, schmutzige
Eheleut.

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Mit Essen und Trinken

Mit essen und trinken,
Mit faulenzen und stinken,
Mit schenkln und spazieren,
Mit löffeln und galanisieren,
Mit springen und tanzen,
Mit liegen und ranzen,
Mit jagen und hetzen,
Mit komplimentieren und wetzen,
Mit Rappen und Schimmel
Kommt man, weiß Gott, nicht in den Himmel.


Quelle

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Nachtmusikanten

Hier sind wir arme Narrn
Auf Plätzen und auf Gassen
Und tun die ganze Nacht
Mit unsrer Musik passen.

Es gibt uns keine Ruh
die starke Liebesmacht,
Wir stehen mit dem Bogen
Erfroren auf der Wacht.

Sobald der helle Tag
Sich nur beginnt zu neigen,
Gleich stimmen wir die Laut,
Die Harfen und die geigen.

Mit diesen laufen wir
Zu mancher Schönen Haus
Und legen unsern Kram,
Papier und Noten aus.

Der erste gibt den Takt,
der andre bläst die Flöten,
Der dritte schlägt die Pauk,
Der vierte die Trompeten.

Ein andrer aber spielt
Theorb und Galischan
Mit gar besonderm Fleiß,
So gut er immer kann.

Wir pflegen auch so lang
An einem Eck zu hocken,
Bis wir ein schön Gespenst
Hin an das Fenster locken.

Da fängt man alsbald an
Vor der Geliebten Tür
Verliebte Arien
Mit Pausen und Suspier.

Und sollten vor der Wacht
Wir endlich weichen müssen,
So macht man, statt der Händ,
Die Läufe mit den Füßen.

Und also treiben wir's
Oft durch die ganze Nacht,
Daß selbst die ganze Welt
Ob unsrer Narrheit lacht.

Ach, schönste Phyllis, hör
Doch unser Musizieren
Und laßt uns eine Nacht
In deinem Schoß pausieren.

Stephenson, Carl (Hrsg.): Die schönsten Gedichte aus acht Jahrhunderten, Eltville am Rhein: Bechtermünz Verlag GmbH 1988
Quelle

   
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