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Ade zur guten Nacht! Ade zur guten Nacht...
Altwiener Speisekarte 1805 Ein' Suppen mit Fleckerl...
An den Gekreuzigten Wer flößt mir...
Auf den mancherley zeit-vertreib Wie wunderlich wird nicht die lange...
- Des Abends, wenn ich früh aufsteh...
Der Uhu Der Uhu sieht gar ernsthaft aus...
Dreifaltigkeitslied In dem begin...
- Ich atme den süßen Atem...
- In einem kleinen Apfel...
Finster war’s, der Mond schien helle Finster war’s, der Mond schien helle...
- Guten Abend, gute Nacht...
- Hab ich lieb...
  Ich armes Käuzlein kleine...
Ick sitze hier und esse Klops Ick sitze hier und esse Klops...
Märchen du aus unseren Tagen Märchen du aus unseren Tagen...
Mit sechsundsechzig Jahren An siebzig Jahren fehlen mir noch vier...
Vögel, die nicht singen Vögel, die nicht singen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

     

Ade zur guten Nacht!

Ade zur guten Nacht!
Jetzt wird der Schluß gemacht,
daß ich muß scheiden.
Im Sommer wächst der Klee,
im Winter schneit's den Schnee,
da komm ich wieder.

Es trauern Berg und Tal,
wo ich vieltausendmal
bin drüber gangen;
das hat deine Schönheit gemacht,
hat mich zum Lieben gebracht
mit großem Verlangen.

Das Brünnlein rinnt und rauscht
wohl unterm Holderstrauch,
wo wir gesessen.
Wie manchen Glockenschlag,
da Herz bei Herzen lag,
das hast du vergessen.

Die Mädchen in der Welt
Sind falscher als das Geld
Mit ihrem Lieben.
Ade zur guten Nacht!
Jetzt wird der Schluß gemacht,
daß ich muß scheiden.


Quelle

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Altwiener Speisekarte 1805

Ein' Suppen mit Fleckerl steht hier angeschrieben,
Ein Rindfleisch mit Semmelkren und roten Rüben,
Ein Kraut mit Pofesen, ein Eing'machts mit Krebsen,
Gebrat'ne Tauben, ein Ragout von Schöpsen,
Kapäuneln und Hendeln, gebratene Vögel,
Ein Antel, ein Gansei, ein kälbernes Schlägl,
Ein guts Karbonadel,
Ein gefülltes Rostbratel,
Ein g'stopft's Indianerl,
Ein schönes Fasanerl,
Gebrat'ne Karpfen, gesott'ne Forellen,
Ein welsches Salatl' mit frischen Sardellen,
Pasteten und Torten
Von allerlei Sorten,
Das war' für Euch wohl ein köstlicher Schmaus -
War' nur von dem allen ein Bissen im Haus!


Quelle

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An den Gekreuzigten

Wer flößt mir, Herr, zu dir, die Liebe ein?
Nicht Hoffnung, auf verheißne Seligkeit.
Was hindert mich zu tun, was dir zu Leid
Sein könnte? Nicht die Angst vor Höllenpein.

Du selbst, mein Gott, ergreifst mich, du allein.
Weil man dich kreuzigt, geißelt und bespeit,
Und deine Wunden und die Niedrigkeit
Und deinen Tod ich seh, drum bin ich dein.

An deiner Lieb' wird mir die meine klar:
Ich liebte dich auch ohne Himmelreich
Und fürchtete dich ohne Höll' fürwahr.

Und reichtest du mir keine Gabe dar,
Und hofft ich nichts für mich, es blieb sich gleich,
Die Liebe wäre, wie sie ist und war.


Übertragen von Karl Vossler

Jaspert, Reinhard (Hrsg): Lyrik der Welt, Berlin: Safari-Verlag 1960
Quelle

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Auf den mancherley zeit-vertreib

Wie wunderlich wird nicht die lange zeit vertrieben!
Der eine bringt sie mit schlägen / der mit lieben /
Dort jenem macht music / dem kartenspiel vergnügen /
Der sieht zum Fenster nauß / ein ander fänget fliegen.
Der läufft die stub entzwey / der schnitzelt an der wand /
Und jener beisset sich die nägel von der hand.
Noch andre suchen noch was anders auszuüben.
Wie wunderlich wird nicht die lange zeit vertrieben.


[1703]

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Des Abends, wenn ich früh aufsteh,
Des Morgens, wenn ich zu Bette geh,
Dann krähen die Hühner, dann gackelt der Hahn,
Dann fängt das Korn an zu dreschen an.
Die Magd die steckt den Ofen ins Feuer,
Die Frau die schlägt drei Suppen in die Eier,
Der Knecht der kehrt mit der Stube den Besen,
Da sitzen die Erbsen die Kinder zu lesen.
O weh, wie sind mir die Stiefel geschwollen,
Daß sie nicht in die Beine nein wollen!
Nimm drei Pfunde Stiefel und schmiere das Fett,
Dann stelle mir vor die Stiefel das Bett.

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Der Uhu

Der Uhu sieht gar ernsthaft aus,
Als hätt' er hoch studiert;
Geht nicht aus seiner Höhl' heraus,
Bis 's Nacht und finster wird.

Die Dunkelheit ist ihm ganz hell,
Doch sieht er nichts bei Tag;
Drum ist er auch ein solcher G'sell;
Den gar kein Vogel mag.

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Dreifaltigkeitslied

In dem begin,
hoch über sin
was ie das wort.
o richer hort,
do ie begin begin gebar.
O vater brust,
uz der mit lust
daz wort ie floz:
doch hat diu schoz
daz wort behalten, daz ist war.


Quelle
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[in einer Königsmumie der Amarna-Periode]

Ich atme den süßen Atem, 
der deinem Munde entströmt. 
Ich gewahre deine Schönheit an jedem Tag. 
Es ist mein Verlangen, 
daß ich mit jugendlichem Leben 
von neuem erfüllt werde 
durch deine Liebe. 

Gib mir deine Hände, die deine Seele halten, 
daß ich sie empfange und durch sie leben möge. 
Berufe dich auf meinen Namen bis in alle Ewigkeit, 
und es soll niemals mißlingen.

Übersetzung: Alan Gardiner und Wolfgang Steuhl


Quelle

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In einem kleinen Apfel,
da sieht es niedlich aus;
es sind darin fünf Stübchen,
grad wie in einem Haus.


In jedem Stübchen wohnen
zwei Kernchen, braun und klein;
die liegen drin und träumen
vom lieben Sonnenschein.


Sie träumen auch noch weiter
gar einen schönen Traum,
wie sie einst werden hängen
am lieben Weihnachtsbaum.

 

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Morgens früh um sechs
kommt die kleine Hex;
morgens früh um sieben
schält sie gelbe Rüben;
morgens früh um acht
wird der Kaffee gemacht;
morgens früh um neune
geht sie in die Scheune;
morgens früh um zehne
holt sie Holz und Späne;
feuert an um elfe,
kocht sie bis um zwölfe
Fröschebein und Krebs und Fisch.
Hurtig, Kinder, kommt zu Tisch!

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Des Abends, wenn ich früh aufsteh,
Des Morgens, wenn ich zu Bette geh,
Dann krähen die Hühner, dann gackelt der Hahn,
Dann fängt das Korn an zu dreschen an.
Die Magd die steckt den Ofen ins Feuer,
Die Frau die schlägt drei Suppen in die Eier,
Der Knecht der kehrt mit der Stube den Besen,
Da sitzen die Erbsen die Kinder zu lesen.
O weh, wie sind mir die Stiefel geschwollen,
Daß sie nicht in die Beine nein wollen!
Nimm drei Pfunde Stiefel und schmiere das Fett,
Dann stelle mir vor die Stiefel das Bett.

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Finster war’s, der Mond schien helle
Auf die grünbeschneite Flur,
Als ein Wagen blitzeschnelle
Langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute
Schweigend in ein Gespräch vertieft,
Als ein totgeschossner Hase
Auf dem Wasser Schlittschuh lief
Und ein blondgelockter Knabe
Mit kohlrabenschwarzen Haar
Auf die grüne Bank sich setzte,
Die gelb angestrichen war.

volkstümlich aus Sachsen


Quelle

Eine weitere Variante, eingesandt von Jochen Schmidtmann

Finster war’s, der Mond schien helle,
Brausend schweiget die Natur,
Als ein Auto blitzesschnelle
langsam um die Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute
Schweigend ins Gespräch vertieft,
Als ein totgeschossner Hase
Auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Und auf einer grünen Banke,
Die rot angestrichen war,
Saß ein blondgelockter Jüngling
Mit kohlrabenschwarzem Haar;

Neben ihm 'ne alte Schrulle,
Die kaum 18 Jahr' alt war,
In der Hand 'ne Butterstulle,
Die mit Schmalz bestrichen war.

"Holder Engel, Herzensbengel,
Viel geliebtes Trampeltier,
Du bist süß wie'n Zuckerstengel,
Alle Frösche gleichen Dir!"

Dies Gedicht verfasste Goethe,
Als er in der Morgenröte
Donnernd auf dem Topfe saß
Und verfaulte Äpfel fraß.

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Guten Abend, gute Nacht,
Mit Rosen bedacht,
Mit Näglein besteckt
Schlupf unter die Deck:
Morgen früh, wenns Gott will,
Wirst du wieder geweckt.

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Hab ich lieb, so hab ich not.
Meid ich lieb, so bin ich tot.
Nunee ich lieb durch laid wolt lan,
Ee will ich lieb in leiden han.

Habe ich Liebe, so habe ich Leid.
Meide ich die Liebe, so kann ich nicht leben.
Darum will ich lieber, ehe ich nun des Leides wegen die Liebe aufgebe;
Liebe und Leid haben.

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Ich armes Käuzlein kleine,
Wo soll ich fliegen aus
Bei der Nacht so gar alleine?
Bringt mir gar manchen Graus.

Der Ast ist mir entwichen,
Darauf ich ruhen soll,
Die Läublein sein all verblichen,
Mein Herz ist Trauerns voll.

Muß ich mich von dir scheiden,
Herzlieb, ganz traurig bin,
Es g'schah mir nie so leide.
Ade! ich fahr dohin.

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Ick sitze hier und esse Klops

Ick sitze hier und esse Klops,
Uff eenmal kloppt's
Ick kieke, staune, wundre mir,
Uff eenmal jeht se uff, die Tier,
Nanu, denk ick, ick denk, nanu,
Jetzt isse uff, erscht war se zu.
Ick jehe raus und blicke,
Und wer steht draußen? - Icke!


aus: Dunkel war's
(einer der volkstümlichen Variationen)


Quelle

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Märchen du aus unseren Tagen

Märchen du aus unseren Tagen,
Märchen du aus Niemandsland!
Mag es auch nur Disteln schlagen, -
wenn wir wollen, muß er tragen,-
mag es auch nur Disteln schlagen,
Blume doch in Wüstensand! *

Distel, Einzige von allen
die die Fremde uns beschied.
Sterne träumen wir kristallen,
Blumen, die wie Sterne fallen
auf die Erde, wo uns allen
glühend rot die Nelke blüht.


*aus dem Gedichtezyklus "El Shatt"

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Mit sechsundsechzig Jahren

An siebzig Jahren fehlen mir noch vier.
Lohnt sichs, von diesem Leben noch zu sprechen?
Die Trauer sucht mich heim bei fremden Tod,
Und wiederum frohlocke ich: Noch atme ich hier.

Wie kann man schwarz das Haupthaar sich bewahren?
Was ist zu tun, daß nicht das Aug sich trübt?
Von den Gefährten blieben Seelentafeln,
Indessen Knecht und Magd Urenkel wachsen sehn.

Im magern Kreuz drückt wie Metall die Schwere,
An den verfallnen Schläfen häuft sich Schnee.
Was tu ich, wenn sich die Gebrechen mehren?
Zeit ists, daß ich mich anvertrau dem Tor der Leere.

(Tang-Dynastie)

Aus dem Chinesischen von Günter Eich

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Vögel, die nicht singen

Vögel, die nicht singen,
Glocken, die nicht klingen,
Pferde, die nicht springen,
Pistolen, die nicht krachen,
Kinder, die nicht lachen,
Was sind das für Sachen?


Quelle

 

 

 

   
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